#Erinnern

Von Spuren getragen

Scan Navigator Furche Archiv - <strong>Abgelichtet</strong><br />
Die gescannten Archivbände der FURCHE werden digital aufbereitet und Inhalte miteinander verknüpft. Mit dem FURCHE-Navigator kann künftig nachgeforscht werden, wie sich Diskurse verändert haben. - © Davina Brunnbauer
Wissen

Eintauchen in Raum und Zeit

1945 1960 1980 2000 2020

Vom Archivband zur Zeitmaschine: Wie DIE FURCHE eine digitale Reise von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft ermöglicht.

1945 1960 1980 2000 2020

Vom Archivband zur Zeitmaschine: Wie DIE FURCHE eine digitale Reise von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft ermöglicht.

Rund 90.000 Seiten. Auf so viel Papier passt das gesamte Archiv der FURCHE. In dicken dunkelgrünen Bänden sind die Ausgaben seit 1945 aufbewahrt. Von der Nachkriegszeit bis hin zum EU-Beitritt und der Position Österreichs als Drehscheibe im vereinten Europa ist die bewegte Geschichte dieses Landes darin aufgezeichnet.

Die FURCHE hat diese Geschichte in den vergangenen Jahrzehnten durch die Feder ihrer Redakteurinnen und Redakteure hautnah miterlebt. Zugänglich wurde dieser Schatz an Zeitgeschichte bisher allerdings nur wenigen, die durch die vergilbten Seiten blätterten. An inhaltlicher Relevanz haben die alten Texte aber bis heute nichts verloren. „Wir wollen die FURCHE als Zeitgeschichte-Dokument greifbar und nutzbar machen. Denn die gesellschaftlich-ethischen, wissenschaftlichen, kulturpolitischen und philosophischen Diskussionen sind das, was die FURCHE seit mehr als sieben Jahrzehnten und noch immer auszeichnet“, erklärt Geschäftsführerin Nicole Schwarzenbrunner. „Ich bin davon überzeugt, dass es neben unseren treuen Leserinnen und Lesern viele Menschen gibt, die noch gar nicht wissen, dass sie die FURCHE lesen möchten. Und auch diese wollen wir ansprechen.“

Rund 90.000 Seiten. Auf so viel Papier passt das gesamte Archiv der FURCHE. In dicken dunkelgrünen Bänden sind die Ausgaben seit 1945 aufbewahrt. Von der Nachkriegszeit bis hin zum EU-Beitritt und der Position Österreichs als Drehscheibe im vereinten Europa ist die bewegte Geschichte dieses Landes darin aufgezeichnet.

Die FURCHE hat diese Geschichte in den vergangenen Jahrzehnten durch die Feder ihrer Redakteurinnen und Redakteure hautnah miterlebt. Zugänglich wurde dieser Schatz an Zeitgeschichte bisher allerdings nur wenigen, die durch die vergilbten Seiten blätterten. An inhaltlicher Relevanz haben die alten Texte aber bis heute nichts verloren. „Wir wollen die FURCHE als Zeitgeschichte-Dokument greifbar und nutzbar machen. Denn die gesellschaftlich-ethischen, wissenschaftlichen, kulturpolitischen und philosophischen Diskussionen sind das, was die FURCHE seit mehr als sieben Jahrzehnten und noch immer auszeichnet“, erklärt Geschäftsführerin Nicole Schwarzenbrunner. „Ich bin davon überzeugt, dass es neben unseren treuen Leserinnen und Lesern viele Menschen gibt, die noch gar nicht wissen, dass sie die FURCHE lesen möchten. Und auch diese wollen wir ansprechen.“

Navigator

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Die Idee: Das FURCHE-Archiv soll digitalisiert werden und mit nur wenigen Klicks zu einer Reise durch die Zeit einladen. „Im Mittelpunkt steht die Strategie der Verschränkung von journalistischer Kompetenz und neuen digitalen Möglichkeiten“, sagt Schwarzenbrunner. „Die FURCHE stellt den Inhalt – und unsere Partner das technologische Know-how.“ Von Anfang an eingebunden war als Projektpartner die Wiener Digital-Agentur strg.at. Das Archiv sollte sichtbar gemacht werden, sich aber nicht hinter einer Suchmaske verstecken. Ziel war es, Inhalte auf neue Art und Weise zu integrieren und zu vernetzen.

Was wurde 1973 in der österreichischen Politik diskutiert? Seit wann ist der Klimawandel ein Thema? Wie hat sich die Debatte zum Thema Abtreibung verändert? Diese Fragen können nicht allein durch die digitale Abbildung alter Zeitungsausgaben beantwortet werden. Man muss alte und neue Artikel verknüpfen. Mit Hilfe von Algorithmen, die wie neuronale Netze funktionieren, werden FURCHE-Inhalte also semantisch analysiert. Anders als bei üblichen Suchmaschinen werden passende Artikel nicht anhand von Schlagwörtern verbunden, sondern basierend inhaltlicher Bedeutung. „Darauf aufbauend kann man feststellen, wie sich Diskussionen mit der Zeit verändern“, erklärt Jürgen Schmidt, CEO von strg.at. „Und wir können mithilfe von künstlicher Intelligenz berechnen, worin das Interesse von Usern liegt, wenn sie Inhalte konsumieren.“ Das Ergebnis ist der FURCHE-Navigator, eine Art Zeitmaschine von 1945 bis heute – und zurück.

Vom Scanner ins Internet

Zur praktischen Umsetzung des Digitalprojekts muss der Text aber zuerst einmal seinen Weg aus dem Archivband ins Internet finden. Dafür wurden Stephan Tratter und das von ihm mitgegründete Wiener Digitalisierungsunternehmen Treventus ins Boot geholt. Für seine Diplomarbeit an der Technischen Universität Wien entwickelte Tratter mit zwei Kollegen einen automatischen Buchscanner, welcher vollautomatisch ganze Bücher digitalisiert.

Mehr als 50 FURCHE-Archivbände wurden für den Scanvorgang in die Sozialeinrichtung „Laube“ nach Hallein bei Salzburg gebracht. Dort wurden sie in knapp zweieinhalb Monaten vollständig gescannt. Damit ist zwar der erste Schritt getan, aber Digitalisierung bedeutet noch mehr: Denn das Ziel soll ein vollständiger Artikel auf der Website sein, der als eigene „Landing Page“ erscheint und mit anderen Beiträgen verknüpft werden kann.

Es geht um die Verschränkung von journalistischer Kompetenz und technologischem Know-how.

Nicole Schwarzenbrunner

Dafür müssen die gescannten Seiten weiterverarbeitet werden: Eine Software, die Treventus für den Scanroboter entwickelt hat, trennt Bild von Text und fügt gleichzeitig jene Textteile zusammen, die zusammengehören. „Gerade bei alten Artikeln ist es aber nicht immer einfach, das zu erkennen. Da tut sich ja auch ein Mensch oft schwer“, sagt Stephan Tratter. „Die Software ist nicht intelligenter, aber sie automatisiert diese Schritte sehr gut.“

Dabei wird systematisch vorgegangen: Der Titel wird etwa als größerer Text erkannt, Textzeilen, die über oder unter dem Titel stehen, werden als Untertitel kategorisiert. Eine Fehlerquote, die händisch ausgebessert werden muss, bleibt freilich. „Es ist ein Projekt mit Ecken und Kanten“, sagt Tratter. „Falsch angegangen können 90.000 Seiten genug sein, um Kopfweh zu bekommen. Aber für einen Digitalisierungsprozess ist das eine überschaubare Projektgröße.“

Rund zwei Wochen dauert die Textextraktion der Archivbände. Am Ende sind einzelne zusammengehörige Texte in Ordnerstrukturen gegliedert und können von dort aus weiterverwendet werden. „Dieser Prozess ist unspektakulär. Wirklich spannend wird es dann wieder, wenn man sich die Inhalte tatsächlich aufbereitet auf der FURCHE-Website ansehen kann.“ Denn das sei schließlich das, was die digitale FURCHE zu einem Leuchtturmprojekt mache, meint Tratter: eine Idee, wie man Archivtexte sinnvoll einbettet.

Digitales Leuchtturmprojekt

Der FURCHE-Navigator ist das Ergebnis dieser Digitalisierung. Er bildet den Prozess der Meinungsbildung in der Vergangenheit ab und bleibt dabei selbst immer in Bewegung. Für jeden FURCHE-Artikel gibt es nun eine Timeline, in der angezeigt wird, in welchen Jahren das Thema des Artikels schon einmal behandelt wurde. Ein Tool, um sich in der Zeit zu verlieren und gleichzeitig Orientierung zu finden. Neben aktuellen Geschichten reihen sich also künftig archivierte Texte von Persönlichkeiten wie Friedrich Funder, Thomas Bernhard, Václav Havel, Friederike Mayröcker, Kardinal König, Barbara Coudenhove-Kalergi oder Josef Hader. Zudem stellt die Redaktion zu aktuellen Themen die besten alten und neuen Beiträge zu „Diskurspaketen“ zusammen. „Die historische Dimension kann aktuelle Debatten in völlig neuem Licht erscheinen lassen“, erklärt FURCHE-Chefredakteurin Doris Helmberger den journalistischen Reiz des Projekts – und den Gewinn für die Leserinnen und Leser. „Es verändert die Perspektive, wenn man sieht, wie deutlich sich im Lauf der Zeit die Assoziationen zum Thema ,Islam‘ verändert haben. Oder wenn man umgekehrt liest, dass schon 1998 nach der Klimakonferenz von Kyoto endlich Maßnahmen eingemahnt wurden – mit fast identen Worten wie heute.

Ein Archiv muss also nicht aus verstaubten Ordnern bestehen, es kann auch Zusammenhänge erschließen und für die Zukunft inspirieren. Begleiten Sie uns bei dieser Reise durch Raum und Zeit.