Nudeln Mediterrane Ernährung - © Foto: iStock/fcafotodigital

Ernährungsmedizin: Rezepte zur „Seelenkost“

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Neuere Forschung zeigt: Depressionen können durch eine Ernährungsumstellung verbessert werden. Wie man über das Essen wieder zu mehr Lebensfreude findet.

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Neuere Forschung zeigt: Depressionen können durch eine Ernährungsumstellung verbessert werden. Wie man über das Essen wieder zu mehr Lebensfreude findet.

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Ernährung für die Stimmung? Da fällt vielen blitzschnell Schokolade ein. Freilich ist das braune Gold keine Dauerlösung. Schon gar nicht, wenn die Trübsal bereits über eine kurzfristige Lustlosigkeit und Niedergeschlagenheit hinausgeht.
Laut dem Dachverband der Sozialversicherungsträger erkranken bis zu 20 Prozent im Laufe ihres Lebens an einer Depression, die in drei von vier Fällen immer wieder kommt. Für diese Betroffenen könnte eine aufstrebende Forschungsrichtung neue Hoffnung bringen. Die Rede ist von „Ernährungsmedizin in der Psychiatrie“ (Nutritional Psychiatry), die ihre Wurzeln in Australien hat. Hierzulande ist die Psychiaterin Sabrina Mörkl eine Vorreiterin. Die Grazerin dissertierte über Darmbakterien bei psychisch Kranken und hat Zusatzausbildungen in Ernährungs- und Nährstoffmedizin absolviert. An der Medizinischen Universität Graz unterrichtet sie das Wahlfach Ernährungsmedizin in der Psychiatrie.

Komplexes Mikrobiom

Und Ende 2023 hat Mörkl gemeinsam mit dem Koch und Ernährungstherapeuten Attila Várnagy ein Buch vorgelegt: „Ernährung für die Psyche: Das Kochbuch“ (Riva-Verlag). „Die Rezepte stammen aus Kochworkshops für Menschen mit Depressionen und Essstörungen. Deren Effekt hat Várnagy bei uns an der Uni-Klinik Graz untersucht“, sagt Autorin Mörkl. Vor dem Rezeptteil beschreibt Sabrina Mörkl auf 94 Seiten einfach verständlich den aktuellen Forschungsstand zum Thema Ernährung und Psyche und gibt spezielle Tipps bei psychischen Leiden, allen voran bei Depressionen. „In diesem Bereich haben wir die meisten Daten“, betont Mörkl.

Einen Meilenstein gab es 2018. „Da erschien eine Metaanalyse, die eindrucksvoll belegt, dass sich depressive Symptome durch Ernährungsinterventionen signifikant senken lassen. Dazu wurden Daten aus 16 Studien mit über 45.000 Teilnehmenden zusammengefasst.“ Die Maßnahmen umfassten weniger Fett, Zucker und Fertiggerichte und mehr Gemüse und Ballaststoffe, wie in der mediterranen Ernährung. Die Wirkung erklärt sich über den Darm, genauer gesagt über das derzeit viel beforschte Mikrobiom, jene ein bis zwei Kilo wiegenden Trillionen Darmbakterien unterschiedlichsten Typs.

Beim Mikrobiom zählen der richtige Mix und eine möglichst große Vielfalt. Ist die Darmflora durch falsche Ernährung oder auch Stress gestört, entstehen kleinste chronische Entzündungen, die zwar nicht schmerzen, aber doch aufs Gemüt schlagen können. Denn vor allem über den weit verzweigten Vagusnerv finden diese chronischen Herde den Weg ins Gehirn (Darm-Gehirn-Achse). „Solche Entzündungen können einen Schwelbrand auslösen, der dazu führt, dass nicht mehr genügend Serotonin aufgebaut wird.“ Serotonin ist ein für das Wohlbefinden essenzieller Botenstoff, ebenso wie Noradrenalin. Bei Depressionen ist die Konzentration zu niedrig oder die Balance stimmt nicht.

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