Agroforst Landwirtschaft - © Foto: iStock / Igor Radchenko

EU-Renaturierung: Vielfalt für die Äcker

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Das EU-Renaturierungsgesetz steht auf der Kippe. Ein wesentlicher Streitpunkt ist die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. Für den gezielten Einsatz von Agroforsten gibt es jedoch viele gute Argumente.

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Das EU-Renaturierungsgesetz steht auf der Kippe. Ein wesentlicher Streitpunkt ist die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. Für den gezielten Einsatz von Agroforsten gibt es jedoch viele gute Argumente.

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Wenn am 17. Juni erneut über das EU-Renaturierungsgesetz abgestimmt werden könnte, findet sich darin ein Abschnitt zu sogenannten „Landschaftselementen mit großer Vielfalt“. Pufferstreifen, Gräben, kleine Feuchtgebiete, Baumgruppen oder Sträucher sollen dafür auf landwirtschaftliche Flächen gesetzt werden. Das steigert langfristig die Artenvielfalt, bindet CO2 und sichert Erträge, wie auch 170 Wissenschafterinnen und Wissenschafter in einem Offenen Brief an die heimischen Landeshauptleute appellieren.

Diese hatten bis zuletzt das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur blockiert. Inzwischen wurde das Gesetz aber auf EU-Ebene abgeändert und abgeschwächt. Für Feuchtgebiete, Sträucher und Co. ist nur noch ein „kontinuierlicher Fortschritt“ geplant; in einem früheren Entwurf waren noch „mindestens zehn Prozent der produktiven Fläche bis 2030“ vorgeschrieben. Seither haben die Landeshauptleute von Wien und Kärnten (beide SPÖ) ihre Blockadehaltung aufgeweicht. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler könnte dem Gesetz am 17. Juni im EU-Umweltrat möglicherweise zustimmen – sofern sie sich dann noch gegen die ÖVP durchsetzt. Österreich ist hier das Zünglein an der Waage.

Bessere Nutzung der Ressourcen

Einer der Gründe für die Blockadehaltung ist die Sorge, dass Erträge sinken könnten, wenn produktive Flächen „außer Nutzung gestellt“ würden. Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol und Abgeordneter zum Nationalrat für die ÖVP, sprach gar von einer „Enteignung“. Parteikollegen sehen auch die Ernährungssicherheit in Gefahr.
Einige dieser Argumente sind schlicht Desinformation. „Verpflichtende Stilllegungen sind in der Verordnung nicht vorgesehen“, entkräftet der WWF im Faktencheck die Angst vor der „Enteignung“. Und nicht Feuchtgebiete, Sträucher und Bäume würden die Ernährungssicherheit gefährden, sondern der „ungezügelte Flächenfraß“. Das betonen auch die 170 Forschenden in ihrem Offenen Brief.

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