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Gesund in den Urlaub - und wieder zurück

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Damit das Reisefieber nicht zu einer ernsthaften Erkrankung wird, sollte gesundheitlichen Aspekten genauso viel Beachtung geschenkt werden, wie der touristischen Vorbereitung.

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Damit das Reisefieber nicht zu einer ernsthaften Erkrankung wird, sollte gesundheitlichen Aspekten genauso viel Beachtung geschenkt werden, wie der touristischen Vorbereitung.

Sonnenüberflutete Strände mit weißem Sand, verwunschene Ruinen im tropischen Regenwald oder steile Bergpfade in dünner Höhenluft. Immer mehr Österreicher zieht es im Urlaub in exotische Länder. Dort warten jedoch nicht nur unvergeßliche Erlebnisse, sondern es lauern auch mannigfaltige Gefahren für die Gesundheit. Daher gehört die gründliche medizinische Vorbereitung genauso zur Urlaubsplanung, wie das Studium der Reiseroute und die Einstimmung auf die fremde Kultur.

Besonders für Menschen, die an chronischen Erkrankungen leiden, beginnt die richtige Urlaubsplanung bereits vor der Buchung im Reisebüro. Professor Armin Prinz, Leiter der Ambulanz des Wiener Flughafens: "Es ist wichtig, daß man bei der Auswahl des Reiseziels den eigenen gesundheitlichen Zustand berücksichtigt. Wenn chronische Krankheiten vorliegen, die Infektionen begünstigen - wie beispielsweise Diabetes - sollte man nicht unbedingt in ein Malariagebiet fahren." Ein Beratungsgespräch mit dem Hausarzt gibt Aufschluß, ob eine Reise ohne Risiko angetreten werden kann.

Das gleiche gilt auch für Reisen in der Schwangerschaft. Prinz: "Normalerweise ist eine Fernreise im mittleren Teil der Schwangerschaft kein Problem - aber bitte nicht in Gebiete mit hohem Ansteckungsrisiko."

Wichtige Impfungen Ist die Wahl auf eine Urlaubsdestination gefallen, so beginnt der eigentliche Teil der Prophylaxe. Dies ist auch eine gute Gelegenheit, das eigene Gewissen in Bezug auf in Österreich übliche Impfungen zu erforschen. Allzu oft wird auf die zeitgerechte Auffrischung der Immunisierung gegen Tetanus, Diphtherie oder Polio vergessen.

Mindestens vier bis sechs Wochen vor Abflug sollten Erkundigungen über vorgeschriebene und empfohlene Impfungen eingeholt werden. Eine Reihe von Institutionen (siehe Kasten) informieren und beraten kostenlos über vorbeugende Maßnahmen bei Fernreisen.

Vorgeschrieben für einige Länder ist heute nur noch die Immunisierung gegen Gelbfieber. Unbedingt empfehlenswert ist die Impfung gegen Hepatitis A und B, für die ein Kombinationsimpfstoff zur Verfügung steht, der praktisch 100prozentigen Schutz bietet.

Bezüglich der Typhus-Prophylaxe gehen die Fachmeinungen auseinander. Sie schützt nur in 50 bis maximal 80 Prozent der Fälle tatsächlich. Trotzdem wird sie vom österreichischen Impfausschuß gemeinsam mit der Hepatitis A-Impfung als Grundausstattung für Reisen - wohin auch immer - empfohlen.

Ähnliche Wirksamkeit wie die Typhus-Impfung weist auch die Cholera-Prophylaxe auf. Da Cholera für Menschen mit guter gesundheitlicher Grundkonstitution kein großes Problem darstellt und mit Antibiotika gut behandelbar ist, ist sie nicht unbedingt erforderlich.

Über das Risiko, als Tourist eine dieser Krankheiten zu bekommen, gibt eine Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO Auskunft. Von 100.00 ungeschützten Afrikareisenden erkranken rund 3.000 Personen an Malaria, 300 an Hepatitis A, 30 an Typhus und nur 0,2 an Cholera.

Eine weitere Impfung, die der Mediziner für manche Destinationen empfiehlt, ist die Immunisierung gegen Meningokokken Typ A und C. Aufgrund der Schwere dieser Krankheit rät Prinz bei Reisen in den Senegal, die Sahelzone, Nordindien oder Nepal unbedingt zur Impfung.

Eine in letzter Zeit vor allem für Indonesien propagierte Impfung ist gegen die sogenannte Japan B-Enzephalitis, die ähnlich wie die in Europa von Zecken übertragene Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) verläuft. Prinz weiß von keinem Fall, in dem ein Österreicher mit diesem Virus infiziert wurde. Da Japan-B-Enzephalitis nur in dörflicher Umgebung vorkommt - sie ist an das Vorhandensein von Schweinen und Bewässerungssystemen gebunden - ist die Notwendigkeit der Impfung fraglich.

Das führt Prinz zur generellen Impfproblematik: "Auch wenn die Sinnhaftigkeit mancher Impfungen aufgrund extrem niedrigen Ansteckungsrisikos nicht unbedingt gegeben ist, ist es im Zweifelsfall besser eine Impfung zu viel als zu wenig zu haben."

Malaria Das größte Gesundheitsproblem für Touristen ist die Malaria. Die Überträgerin der Malaria, die Anophelesmücke, sticht vorwiegend in der Dämmerung und in der Nacht. Die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme gegen Malaria ist laut Prinz der konsequente Mückenschutz: "Damit können 90 Prozent der Ansteckungen vermieden werden." Idealerweise wird dazu ein mit Insektiziden imprägniertes Moskitonetz über dem Bett aufgespannt. Im Gegensatz zur medikamentösen Malariaprophylaxe schützt das Netz auch vor Ansteckung mit anderen Krankheiten wie Dengue-Fieber, die von Gelsen übertragen werden. Repellents, die auf die Haut aufgetragen werden, halten die lästigen Blutsauger beim abendlichen Spaziergang vom Leib.

Die medikamentöse Prophylaxe weist zwei große Probleme auf: Einerseits bestehen Resistenzen, so daß bestimmte Mittel in bestimmten Gebieten keinen Schutz vor Ansteckung mehr gewähren. Andererseits muß bei Anwendung mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen gerechnet werden, die von leichtem Schwindel über Psychosen bis zu schwersten Hautproblemen gehen können. Vor der Anwendung dieser Medikamente sollte in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden.

Sollten innerhalb eines halben Jahres nach einer Reise in ein Malariagebiet eine fieberhafte Erkrankung auftreten, so ist unbedingt an die Möglichkeit der Malaria zu denken. Vor allem bei schweren Fieberanfällen mit Schüttelfrost, die in der Nacht auftreten, ist unverzüglich ein Krankenhaus aufzusuchen.

Die Reiseapotheke Natürlich können bei Fernreisen nicht nur die oben geschilderten Krankheiten auftreten. Viel häufiger leiden Menschen an zumeist banalen Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Eine kleine Reiseapotheke mit einigen wenigen ausgewählten Medikamenten ist hilfreich, daß sich die ungetrübten Urlaubsfreuden bald wieder einstellen. Selbstverständlich enthält die Apotheke all jene Medikamente in ausreichender Menge, die auch zu Hause regelmäßig eingenommen werden müssen.

Das häufigste Leiden ist der Durchfall. Wenn man einmal von "Montezumas Rache" verfolgt wird, so ist es sehr wichtig, den dadurch entstandenen Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen. Prinz empfiehlt dazu, auf ein Hausmittel zurückzugreifen: "Sehr gut bewährt hat sich, täglich zwei bis drei Suppenwürfel in heißem Wasser aufzulösen und zu trinken. Damit erhält der Körper ausreichend Flüssigkeit und das notwendige Kalium." Natürlich stehen auch mit Mineralstoffen und Spurenelementen angereicherte Brausetabletten in den Apotheken zur Verfügung. Auf stopfende Medikamente sollte nach Möglichkeit verzichtet werden, da diese nur die Darmaktivität vermindern und die Ursache des Durchfalls nicht bekämpfen. Übermäßiger Gebrauch dieser Mittel kann im schwersten Fall zu Darmlähmung und Darmverschluß führen. Stopfende Medikamente sind also nur für Akutfälle, wenn man zum Beispiel gerade im Autobus oder Flugzeug sitzt, geeignet.

Als nützlich in der Reiseapotheke haben sich auch Breitbandantibiotika erwiesen. Mit ihnen können banale Infektionen, Erkältungen oder Fieber einfach und wirksam behandelt werden.

Etwas vorsichtiger sollte mit Schmerzmitteln umgegangen werden. Analgetika, deren Wirkstoff Acetylsalicyl-Säure ist, haben eine blutverdünnende Wirkung, die bei manchen Erkrankungen Blutungen auslösen kann. In die Reiseapotheke sollte daher eher ein Parazetamol-Präparat kommen. Ärzte und Apotheker beraten bei der Zusammenstellung einer individuellen Reiseapotheke.

Die Reisethrombose Bevor der Reisende sein Urlaubsland erreicht, muß er jedoch oft viele Stunden im engen Raum eines Flugzeugs verbringen. Die mangelnde Bewegung kann zu einer Beinvenenthrombose führen, deren schwerste Konsequenz ein Herzinfarkt oder Schlaganfall ist. Vor allem Menschen, die unter Venenentzündungen oder Krampfadern leiden, aber auch Schwangere oder Menschen über 45 Jahre, sollten sich bei Langstreckenflügen durch eine Heparininjektion schützen. Auch hier rät Prinz, viel zu trinken: "Anstatt im Duty Free Shop eine Flasche Schnaps zu kaufen, wäre es viel günstiger, ausreichend Wasser mitzunehmen." Schlaf- oder Beruhigungsmittel, verabreicht Prinz in seiner Ambulanz aufgrund der Thrombosegefahr ebenfalls nur noch in Kombination mit einer Heparinspritze. Wenn möglich, sollte auf Schlafmittel bei Langstreckenflügen generell verzichtet werden.

Werden alle diese Ratschläge befolgt, so ist jeder Urlauber gesundheitlich bestens auf die Reise vorbereitet. Das Reiseziel kann mit seiner Exotik in vollen Zügen genossen werden und die schönste Zeit im Jahr bleibt ungetrübt.

Der Autor ist Medizinjournalist.

ZUM THEMA Infos zur Vorsorge Auskünfte über prophylaktische Maßnahmen für Fernreisende erteilen die Tropeninstitute der medizinischen Universitäten, die Gesundheitsämter, Ärzte und Apotheker.

In der Ambulanz des Wiener Flughafens stehen rund um die Uhr Ärzte zur Verfügung, die nach telefonischer Vereinbarung Beratungen durchführen.

* Reisemedizinischer Informationsdienst der Abteilung für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien: Zimmermanngasse 1a, 1090 Wien, Telefonnummer: (01) 403 83 43.

* Ambulanz des Wiener Flughafens: Telefonnummer: (01) 7007-22245 oder -22299.

Ausgezeichnete reisemedizinische Information finden Sie auch im Internet unter http://www.reise med.at/, http://www.fit-for-travel. de/ oder http://www.rz.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/.

H.L.

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