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GOLDige Gene gegen Fett

Neben falscher Ernährung haben auch die Gene ihren Anteil an der Entstehung von Übergewicht. Im interuniversitären Forschungsprojekt GOLD will man diese Zusammenhänge erkunden.

Schnitzel, Bier und Sachertorte - ein Menü, das sich niederschlägt: Wie in ganz Westeuropa sind auch hierzulande mehr als 50 Prozent der Bevölkerung übergewichtig. Die Folgen sind weltweit dramatisch: Mit rund 15 Millionen Todesfällen pro Jahr sterben mittlerweile doppelt so viele Menschen an den Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit - wie Herzinfarkt oder Gehirnschlag - als an Krebs.

Die Tendenz, üppige Formen zu entwickeln, ist freilich nicht nur eine Folge von zu viel Schlemmerei und zu wenig Bewegung - sie liegt auch in den Genen. Wie sehr, ist umstritten: "Die Schätzungen reichen von 30 bis 70 Prozent angeborener Faktoren", weiß Rudolf Zechner, Professor am Institut für Molekularbiologie, Biochemie und Mikrobiologie der Karl-Franzens-Universität Graz.

Fett-Spalter Lipase

Im Rahmen des Forschungsprojekts GOLD (Genomics Of Lipid-associated Disorders) macht sich Zechner auf die Suche nach jenen Genen und Genprodukten, im konkreten Fall Enzymen, die Fettstoffwechselstörungen auslösen - und damit wesentlich an der Entstehung von Übergewicht verantwortlich sind. "Was wir suchen sind neue Lipasen, also Enzyme, die dafür sorgen, dass Lipide (Fette) gespalten werden, Fettsäuren wieder in den Blutkreislauf kommen und folglich andere Gewebe mit Energie versorgt werden", erklärt Zechner im Furche-Gespräch. Anfangs dachte man, den gesuchten Fettkiller im bereits bekannten Enzym hormon-sensitive Lipase gefunden zu haben. Man blockierte also bei Mäusen dieses Enzym - und ging davon aus, dass sie zunehmen würden. Falsch gedacht: "Sie sind dünner geworden", erinnert sich Zechner. "Das hat uns gezeigt, dass ganz wichtige Enzyme bei Säugern noch gar nicht bekannt sind." Mittlerweile ist man jedoch bei anderen Enzymen fündig geworden: Die Patentanmeldung ist gerade im Gang, verrät der Molekularbiologe.

Um effektiver zu sein, agiert man bei GOLD im Verbund: Neben Projekt-Koordinator Zechner haben sich noch fünf weitere Forschungsteams - zwei von der Karl-Franzens-Universität Graz, zwei von der TU Graz und eines von der Universität Innsbruck - der Erkundung von Fettstoffwechselstörungen gewidmet. Mit vier Millionen Euro wird dieses Projekt in einer ersten Phase vom österreichischen Genomforschungsprogramm GEN-AU (siehe Kasten) finanziert.

Enzym-Fahndung mit Chip

Mit verschiedenen Techniken versuchen die GOLD-Forscher, im Genom von Mäusen und Menschen die gesuchten Gene und Enzyme herauszufiltern: Mittels Bioinformatik werden etwa unbekannte Gene mit bekannten Lipasen verglichen - und bei Stukturähnlichkeiten auf ihre tatsächliche Lipase-Funktion getestet.

Einen zweiten Zugang ermöglicht die Mikrochip-Technologie: Hierbei wird das so genannte Gen-Expressionsmuster in der Fettzelle untersucht - das heißt jenes Muster, nach dem die Gene in diesem Zelltyp aktiviert bzw. stillgelegt sind. "Wenn in diesem Expressionsmuster eine bestimmte Lipase verstärkt auftritt, dann kann man dieses Enzym herausfischen und charakterisieren", erzählt Zechner.

So raffiniert diese Techniken auch sind: Auf das ultimative Abspeck-Medikament müssen üppige Österreicher laut Zechner dennoch warten: "Eine Wunderpille sehe ich derzeit noch nicht."

Einblicke in das GOLD-Projekt gewährt Rudolf Zechner im Rahmen der Science-Week am Samstag, 15. Mai, von 12 bis 13 Uhr im Wiener Museumsquartier.

Infos unter www.scienceweek.at und

http://gold.uni-graz.at.

Gen-Au

Insgesamt 31,74 Millionen Euro hat die Bundesregierung für die erste Projektphase (2002 bis 2005) des Genomforschungsprogramms GEN-AU zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis sind vier Verbundprojekte - darunter GOLD -, zwei Netzwerke (zu Bioinformatik und Proteomik, also die Erforschung von Proteinen in Zellen und Organismen) sowie sechs Pilotprojekte (u.a. über Gewebebanken als Quelle für die Genomforschung und Krebserkrankungen bei Kindern). Darüber hinaus werden in sechs ELSA-Projekten ("Ethical, Legal and Social Aspects") die gesellschaftlichen Auswirkungen der Genomforschung erkundet. Eines davon ist das Begleitforschungsprojekt "Reden wir über GOLD" des Instituts für Wissenschaftsforschung der Universität Wien. Interessenten werden dringend gesucht - ebenso wie für den "GEN-AU Diskurstag 2004" am 17. Juni in der Grazer Stadthalle zum Thema: "Genomforschung und Medizin - Was habe ich davon?" Nähere Informationen unter www.gen-au.at.

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