sachs - © Getty Images / Mondadori

Hanns Sachs: Analytiker, Ästhet, Außenseiter

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75 Jahre nach seinem Tod ist er so gut wie vergessen: Hanns Sachs war der große „Lebenskünstler“ in der Frühzeit der Psychoanalyse. Sein Werk birgt auch heute tiefe Einsichten. Eine Würdigung.

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75 Jahre nach seinem Tod ist er so gut wie vergessen: Hanns Sachs war der große „Lebenskünstler“ in der Frühzeit der Psychoanalyse. Sein Werk birgt auch heute tiefe Einsichten. Eine Würdigung.

Wir dürfen uns Hanns Sachs als typischen Wiener Kaffeehausintellektuellen des Fin de Siècle vorstellen: ein umfassend gebildeter, eloquenter Ästhet. Als Sohn eines Juristen 1881 in Wien geboren, träumte er von einer Karriere als Künstler, absolvierte aber auf Druck des Vaters ein Studium der Rechtswissenschaft und praktizierte auch als Anwalt. Dann aber folgte 1904 sein Erweckungserlebnis: Er las Freuds „Traumdeutung“, und von da an wusste er, „wofür ich leben wollte“. Ab 1909 nahm er an den Gesprächen von Freuds „Mittwochs-Gesellschaft“ teil, ab 1912 war er (gemeinsam mit Otto Rank) Herausgeber der Imago. Diese „Zeitschrift zur Anwendung psychoanalytischer Konzepte auf die Kunst“ sollte Künstler und Geisteswissenschafter für die Analyse begeistern. 1913 wurde er Mitglied des „Geheimen Komitees“, des innersten Führungsgremiums der nun schon internationalen psychoanalytischen Vereinigung.

Intuitiver Ansatz

In den Elendsjahren des Ersten Weltkrieges erkrankte er schwer an Tuberkulose, musste 1918 zur Kur nach Davos. Von der Schweiz beorderte ihn Freud 1920 nach Berlin. Dort wirkte er entscheidend am Aufbau des bis heute einflussreichen Berliner Modells einer psychoanalytischen Ausbildung mit, wurde sogar zum weltweit ersten „Lehranalytiker“. Seine Berliner Jahre waren vielleicht die glücklichste Zeit seines Lebens – auch als Bonvivant und prominentes Mitglied der blühenden Kulturszene der Metropole. Sachs erkannte früh die tödliche Gefahr durch den Nationalsozialismus und emigrierte deshalb schon 1932 nach Boston. Dort wurde er als Nichtmediziner sogar „Professor of Psychoanalysis“ an der Harvard Medical School. Wie in Berlin begeisterte er auch in Boston als Lehranalytiker und Supervisor seine Schüler für eine „intuitive“ Psychoanalyse – mehr Kunst als Wissenschaft, wobei für Sachs „Wissenschaft ja nicht unbedingt etwas Unkünstlerisches sein musste“.

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