RALV Grauer Star Innovation Dezimal - © Foto: Technisches Museum Wien

Innovationen durch Start-ups: Vollständig ausgebrütet

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Von der Idee bis zur Marktreife: Im Technischen Museum bekommen heimische Start-ups eine Bühne. Von ihren Innovationen können Millionen von Menschen profitieren

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Von der Idee bis zur Marktreife: Im Technischen Museum bekommen heimische Start-ups eine Bühne. Von ihren Innovationen können Millionen von Menschen profitieren

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Das flackernde Licht erinnert an einen „Morsecode“. Wer sich das Gerät wie eine Brille aufsetzt, tut seinen Nervenzellen etwas Gutes: Neue Vernetzungen im Gehirn werden dadurch angeregt – man fördert einen Prozess, der als „Neuroplastizität“ bekannt ist. Das ist die Grundlage, um geistig flexibel zu bleiben und weiter dazuzulernen; aber auch, um aus einem Stimmungstief herauszukommen. Die Firma „Syntropic Medical“ hat mit dem Gerät einen neuartigen Ansatz zur Behandlung von Depressionen entwickelt. Denn antidepressive Medikamente wirken nur bei einem Teil der Patienten und Patientinnen und können zu unangenehmen Nebenwirkungen führen. „Das ist derzeit ein großer Trend der medizinischen Innovation“, sagt Angela Galizia, Projektleiterin im Technischen Museum Wien: „Die Betroffenen können diese nicht-invasiven Ansätze in ihren eigenen vier Wänden ganz einfach selbst anwenden.“

Faszination der MINT-Berufe

Im Technischen Museum ist derzeit viel los; ganze Schulklassen schwärmen herum. Sie nutzen die Zeit vor den Sommerferien für Exkursionen in Österreichs altehrwürdigen Technik-Tempel, den schon Kaiser Franz Joseph gerne aufsuchte, um neue Fabrikate aus der Monarchie zu besichtigen. Heute gibt es rund 500.000 Besucher und Besucherinnen pro Jahr, die Hälfte davon kommt aus dem Schulbereich. Gleich nach dem Eingangsbereich stoßen sie auf Projekte von heimischen Start-ups, die hier neuartige Ideen präsentieren. Der „Innovation Corner“ wechselt seine Ausstellung vierteljährlich; seit Anfang Juni stehen Produkte aus den Bereichen Medizintechnik und „Life Sciences“ im Mittelpunkt. „Das ist eine Bühne, um Kindern und Jugendlichen die MINT-Fächer (Anm.: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) nahezubringen, die in dieser Zielgruppe leider noch oft mit trockenem Frontalunterricht verbunden werden“, berichtet Galizia. „Viele junge Menschen tun sich schwer, die Kreativität darin zu erkennen. Wenn sie hier sehen, wie tolle Ideen zu tollen Anwendungsmöglichkeiten führen, dann ist das ein Beitrag, um ihr ureigenes Interesse zu wecken. Gerade bei den Mädchen ist es notwendig, die Scheu vor den MINT-Berufen zu überwinden. Da müssen wir alle Kanäle nutzen!“

Auch das Bildungsministerium hat jetzt eine neue Schiene etabliert, um dies stärker zu fördern: Ab kommendem Schuljahr sollen in Wien, Niederösterreich, Salzburg, Kärnten und Vorarlberg sogenannte „Science Clubs“ gestartet werden, bei denen talentierte Schüler und Schülerinnen MINTThemen bearbeiten sollen – etwa durch Experimente zu Robotik, „Smart Cities“ oder nachhaltigen Treibstoffen. Die Initiative basiert auf einem Arbeitsbesuch von Minister Martin Polaschek (ÖVP) vergangenes Jahr in Lissabon. Denn ähnliche Formate werden in Ländern wie Portugal u.a. für das hohe Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft verantwortlich gemacht. Zudem soll die österreichische Start-upSzene vom „Innovation Corner“ profitieren, indem Erfinder und Förderer eine prominente Plattform erhalten, so Angela Galizia: „Die größte Hürde für junge Teams ist, den richtigen Geldgeber zu finden. Bei uns sind die kreativen Köpfe quasi gezwungen, ihre zündende Idee auf den Punkt zu bringen. Das ist enorm wichtig im Wettbewerb um Sponsoren und Kunden.“ Die aktuelle Ausstellung ist in Kooperation mit der niederösterreichischen Technologie-Finanzierungsgesellschaft „technet equity“ und dem Technologie-Inkubator „accent“ entstanden. Dementsprechend liegt der Fokus diesmal auf Forschungseinrichtungen und Start-up-Firmen aus Niederösterreich.

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