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Wer heizt uns ein?

FOKUS
thermo - © Foto: Wien Energie / APA-Auftragsgrafik

Klimaneutrale Fernwärme: Reise ins Innere der Erde

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Drei Kilometer unterhalb der Stadt Wien befindet sich ein Heißwasser-Vorkommen, das für eine klimaneutrale Fernwärme genutzt werden kann. Ein in die Tiefe gehendes Forschungsprojekt hat es erkundet.

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Drei Kilometer unterhalb der Stadt Wien befindet sich ein Heißwasser-Vorkommen, das für eine klimaneutrale Fernwärme genutzt werden kann. Ein in die Tiefe gehendes Forschungsprojekt hat es erkundet.

Während man sich auf der Erdoberfläche den Kopf darüber zerbricht, wie wir unsere Räume im Winter ohne fossile Energie warm halten können, brodelt im Inneren der Erde heißes Gestein mit geschätzten 6000 Grad. Die Erde hat ihre Fußbodenheizung also eingebaut, man muss sie bloß nutzen. In immer mehr Städten wird das auch gemacht – mit der sogenannten Geothermie. Wien soll bald folgen. Spätestens seit den 1970er-Jahren ist bekannt, dass es im östlichen Raum Wiens ein tiefes Thermalwasser-Vorkommen gibt. Um dieses im Detail zu untersuchen, startete Wien Energie – deren Liquiditätsprobleme derzeit für Aufregung sorgen – gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Forschung und Industrie das Forschungsprojekt „GeoTief Wien“. Es zielte darauf ab, ein natürliches Heißwasservorkommen zu finden, das für die Fernwärme genutzt werden kann.

Mit Vibrationen forschen

2017 wurden reflexions-seismische 2D-Messungen durchgeführt, 2018 und 2019 auf einer Fläche von rund 150 Quadratkilometern eine 3D-Seismik. Bei der Reflexionsseismik fahren Impulsfahrzeuge das Untersuchungsgebiet ab und schicken alle 20 Meter Vibrationen in den Boden. Die Wellen dringen mehrere tausend Meter in den Untergrund und werden dort von den verschiedenen Schichten unterschiedlich reflektiert. Die zurückkehrenden Wellen werden an der Oberfläche mit Geophonen aufgenommen. Um die Auswirkungen dieser Messimpulse auf die Natur möglichst gering zu halten, wurden die Messungen im Winter durchgeführt.

Punktuelle Messungen oder Bohrungen hätten nur ein unzureichendes Bild ergeben. Mit der 3D-Seismik hingegen kann man die Struktur des Untergrundes besser darstellen und damit das sogenannte Fündigkeitsrisiko minimieren, erklärt die Geothermieforscherin Edith Haslinger vom Austrian Institute of Technology (AIT): „Rund um Wien ist die Geologie sehr komplex, resultierend aus der Kollision der afrikanischen mit der eurasischen Platte. Die Schichten sind stark gefaltet und es gibt Störungen.“

Die Aufnahmen der 3D-Seismik wurden durch die OMV in rechenintensiver Datenverarbeitung in mehreren Schritten ausgewertet, um ein dreidimensionales Bild des Untergrundes zu erhalten. Die wasserführenden Gesteine im Untergrund Wiens ähneln den Gesteinen in den Kalkalpen im Süden Wiens, zum Beispiel bei der Hohen Wand. Die Universität Wien, die Geologische Bundesanstalt und das GFZ Potsdam analysierten deshalb parallel zur 3D-Seismik Gesteinsproben aus dem Gebirge, um auf die Eigenschaften der Gesteine im Untergrund schließen zu können.

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