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Zurück auf den Boden!

FOKUS
Springschwänze Boden Lebewesen - © iStock/Henrik

Leben im Boden: Reise in den dunklen Kontinent

1945 1960 1980 2000 2020

Unter der Erde wimmelt es. Doch Bodentiere bekommt man selten zu Gesicht, ihr Artensterben verläuft weitgehend unbemerkt. Warum die winzigen Lebewesen gerade in Zeiten der Klimakrise so wertvoll sind. Zu Besuch in einem Innsbrucker Labor.

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Unter der Erde wimmelt es. Doch Bodentiere bekommt man selten zu Gesicht, ihr Artensterben verläuft weitgehend unbemerkt. Warum die winzigen Lebewesen gerade in Zeiten der Klimakrise so wertvoll sind. Zu Besuch in einem Innsbrucker Labor.

Erst wird sie noch in Szene gesetzt, vorsichtig mit der Pinzette zurechtgerückt. Dann blickt man ihr durchs Okular des Mikro­skops direkt in die Augen, in alle acht. Symmetrisch sind sie um den Kopf der Springspinne angeordnet. „Ist die nicht süß?“, fragt Julian von Spinn. Tatsächlich – die zwei übergroßen Augen an der Kopfvorderseite rufen: Kindchenschema. Würde die Spinne leben, könnte sie sich um das 25-Fache ihrer Körpergröße nach vorn katapultieren. Faszinierend, findet der Biologiestudent. Darum schreibt er hier, am Ökologischen Institut der Universität Innsbruck, seine Masterarbeit, namentlich passend über Spinnen. Von Spinns Betreuerin, die Bodenökologin Julia Seeber, steht hinter ihm. Neben dem Mikroskop treibt in einer Petrischale ein kleiner Auszug eines der artenreichsten Lebensräume des Planeten: des Bodens. Etwa ein Lauf­käfer, eine Assel, zwei Würmer, ein Kurzflügelkäfer. Und das daumengroße längliche Tierchen, das Seeber vorsichtig mit der Pinzette hochhebt. „Das ist eine Toten­gräberlarve, ein Aasfresser“, erklärt sie.

Asseln, Würmer, Hundertfüßer

Unter unseren Füßen lebt ein Viertel der Biodiversität des Planeten. An Land sind tropische Regenwälder Horte der Vielfalt. Nicht so beim Boden. Die Diversität von Regenwürmern ist in den gemäßigten Breiten am höchsten, jene von Springschwänzen und Nematoden in den arktischen und subarktischen Regionen. Eine Handvoll Boden beherbergt mehr Lebewesen, als es Menschen gibt. Das summiert sich auf eine Masse an Leben. In einem Hektar Ackerboden bringen die Bodenlebewesen 15 Tonnen auf die Waage. Grund dafür sind die Meso- und die Mikrofauna; also jene Lebewesen, die man mit freiem Auge nicht erkennt.

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