Digital In Arbeit

Liturgie: Vielfalt der Formen

"Ein kluger Schachzug", so bewertet das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim das Motu proprio von Benedikt XVI. zur Liturgie. Kurz gesagt, sei die Zulassung des Missale von 1962 zwar wohl ein Entgegenkommen den Traditionalisten gegenüber, würde ihnen aber keinesfalls in ihrer Gesamtablehnung des II. Vatikanums Recht geben. Die Form der Messe, die unter Paul VI. 1970 beschlossen wurde, bleibt die "ordentliche Form" der Eucharistiefeier.

Der Schritt des Vatikans ist vor dem Hintergrund einer innerkatholischen Auseinandersetzung zu sehen. Was bedeutet das für die Ökumene? Das Konfessionskundliche Institut spricht von einer Geste an die Ostkirchen, die von Anfang an Kritik an der Liturgiereform des Konzils geübt hätten. Und gibt für die Evangelischen Entwarnung: Die Wieder-Freigabe der Messe in der Form von 1962 bedeute keinesfalls eine simple Restauration der Tridentinischen Messe in ihrer barock-gegenreformatorischen Prägung. Zu sehr sei das Missale von Johannes XXIII. bereits von den liturgietheologischen Erkenntnissen des 20. Jahrhunderts geprägt.

Für evangelische Kirchen wird es immer eine Pluralität von Formen geben, in denen Gottesdienst gefeiert wird. So spricht die Sammlung liturgischer Texte der "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" von der Freude an der Vielfalt der Kirchen, die sich auch in ihren Gottesdiensten ausdrückt.

Bei allen Unterschieden sehen sich die Kirchen vor gemeinsamen Fragen. Zum Beispiel: Wie kann der Gottesdienst vor der "Häresie der Formlosigkeit" (Martin Mosebach) bewahrt werden? Die Antworten werden unterschiedlich sein. Aber der Rückgriff auf die Tradition und die ständige Liturgiereform müssen sich meiner Meinung nach die Waage halten.

Der Autor ist Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche A.B.

FURCHE-Navigator Vorschau