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"Manchmal gibt's Überraschungen"

Martin Pfosser, Mitarbeiter des Biologiezentrums am Schlossmuseum Linz, über Gen-Tests.

Die Furche: Herr Pfosser, seit Oktober bietet das Landesmuseum einen Gen-Test an, durch den man mehr über seine Vorfahren erfahren kann …

Martin Pfosser: Und bisher haben wir rund 1500 Tests ausgewertet. Der Andrang ist weit größer als erwartet, weshalb man auch einige Wochen auf das Ergebnis warten muss. Aber offenbar fasziniert die Menschen ihre persönliche Geschichte - nicht nur die letzten drei bis fünf Generationen, sondern eben auch hunderte und tausende Generationen.

Die Furche: Sie untersuchen die mitochondriale DNA. Damit lässt sich etwas über die mütterliche Linie herausfinden. Gibt es keine Tests für die väterliche Linie?

Pfosser: Doch. Aber oft kommen ganze Familien zu uns. Und wenn die Ergebnisse von Vater und Kindern divergieren, dann können sie nicht seine Kinder sein. Kurzum: Wir wollen keinen Vaterschaftstest mit anbieten.

Die Furche: Liefert die genetische Analyse andere, unerwünschte Informationen - etwa über eine Veranlagung zu bestimmten Krankheiten?

Pfosser: Nein. Wir suchen zwar nach Mutationen, aber in Regionen, die nicht für Krankheitsgene kodieren. Und: Wir behandeln die Proben völlig anonym. Man ist nach dem Test auch nicht mit einem genetischen Fingerabdruck bei der Polizei gespeichert.

Die Furche: Hatten Sie schon verblüffende Resultate?

Pfosser: Nach dem derzeitigen Wissensstand gehört etwa jeder zweite Europäer zur Haplogruppe H. Das bestätigen auch unsere Analysen. Aber manchmal gibt's Überraschungen: Ein Mühlviertler, der angab, dass seine Familie immer schon da gelebt habe, hatte etwa Vorfahren, die über Amerika wieder nach Europa eingewandert sind.

Die Furche: Letzte Frage: Wann ist eine Haplogruppe eine Haplogruppe?

Pfosser: Das ist eine rein statistische Frage. Wichtig für die Wissenschaft sind indigene Völker mit möglichst wenig Gen-Austausch. Forscher suchen weltweit nach solchen Gruppen. Im Gegenzug zu ihrer DNA-Spende erhalten diese oft Entwicklungshilfe. Und das finde ich nur richtig. Letztlich trägt aber jeder Einzelne ein kleines Stück zum Wissenszuwachs bei. Denn je mehr Daten, desto besser. Auch unsere Ergebnisse gehen - anonymisiert - in eine internationale Datenbank.

Das Gespräch führte Thomas Mündle.

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