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Mensch und Tier: ziemlich beste Freunde

FOKUS
Mammut Hund Jagd Steinzeit - © Bild: iStock/duncan1890 (Bildbearbeitung: Rainer Messerklinger)

Mit Haustieren durch dick und dünn

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Eine wichtige Lektion der letzten Jahre wird bislang zu wenig beachtet: Hunde, Katzen und andere Kumpantiere wirken als natürliche Stresspuffer – und sind Teil eines erfüllten Lebensstils.

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Eine wichtige Lektion der letzten Jahre wird bislang zu wenig beachtet: Hunde, Katzen und andere Kumpantiere wirken als natürliche Stresspuffer – und sind Teil eines erfüllten Lebensstils.

Die Zahlen sprechen für sich: In 1,5 Millionen österreichischen Haushalten leben an die 1,6 Millionen Katzen und 700.000 Hunde. Diese Haustiere sind soziale Tierkumpane für mehr als drei Millionen Menschen. Selbst die 120.000 Pferde mutieren immer mehr vom „Sport- und Freizeitgerät“ zum Sozialpartner. Die Haltung dieser Kumpantiere bewegt pro Jahr fast zwei Milliarden Euro – also 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wodurch zehntausende Menschen in Arbeit gehalten werden. Nie waren Kumpantiere bloße Dienstleister, etwa beim Jagen, Kriegführen oder Mäusefangen. Immer schon waren sie auch Freunde und soziale Bezugspersonen: zunächst Wölfe, dann seit etwa 35.000 Jahren Hunde. Katze, Pferd & Co kamen erst nach der Sesshaftwerdung dazu.

Im Zuge der weltweit zunehmenden Verstädterung werden übrigens nicht weniger, sondern immer mehr Kumpantiere gehalten. Tatsächlich bleiben Menschen, die in guter Beziehung zu Hund & Co leben, körperlich gesünder und resilienter gegenüber den psychischen Problemen, die heute epidemisch geworden sind. Als „soziale Schmiermittel“ verbessern Hunde die Kommunikation zwischen Menschen. Mit der Zuwendung, derer sie bedürfen und geben können, erfüllen sie ein zentrales menschliches Bedürfnis. Dass nicht wenige Leute Hunde als „ihre Kinder“ bezeichnen, unterstreicht deren soziale Bedeutung. Dazu meinte Erich Kästner angeblich: „Man kann schon ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht“. Und bekanntlich gibt es zwei Arten von Hundehaltern, nämlich jene, die zugeben dass der Hund im Bett schläft, und die anderen. Jedenfalls scheint Homo sapiens an ein Leben mit anderen Tieren angepasst: Tierbeziehung ist offenbar Teil des Menschseins.

Instinktive Natursehnsucht

Dies äußert sich in der seltsamen, evolutionär entstandenen „menschlichen Universalie“ der „Biophilie“. So bezeichneten Erich Fromm und Edward Wilson die menschliche Eigenart einer nahezu instinktiven Natursehnsucht. Tatsächlich kommen alle Kinder dieser Welt mit einem überaus starken Interesse an Tieren und Natur zur Welt, und für ihre optimale Entwicklung sollten sie auch mit Tier- und Naturbezug aufwachsen. Dieses frühkindliche Interesse öffnet zudem ein Fenster in die jüngste Periode der Menschwerdung, in der mit dem leistungsfähigen Gehirn das Bedürfnis entstand, sich in der Zeit und im Raum, vor allem in der Naturumgebung zu verorten. In Kontakt mit Tieren und Natur wuchs die menschliche Neigung zu Reflexion, Philosophie, Wissenschaft und Spiritualität. Letztere äußerte sich zunächst in der Beziehung zu Tieridolen. Daraus entstanden nach der Sesshaftwerdung zunächst hybride Tier-Mensch-Götter, dann sehr menschliche Götter-Olympe, schließlich die Vorstellung vom „Einen und Einzigen“.

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