Uni Wien Palästina Campus Protest - © Foto: APA / Max Slovencik

Palästina-Proteste: Kostümspiel an den Unis

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Genug von euch, reden wir über uns: Bei der Pro-Palästina-Bewegung an den Universitäten geht es nicht um die Menschen in Gaza, sondern um westlichen Narzissmus. Eine kritische Analyse.

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Genug von euch, reden wir über uns: Bei der Pro-Palästina-Bewegung an den Universitäten geht es nicht um die Menschen in Gaza, sondern um westlichen Narzissmus. Eine kritische Analyse.

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Wir reden hier besser nicht über die „Sache“: Das würde bedeuten, sich durch einen Realitätstunnel in ein Wunderland zu stürzen, in dem alle verrückt erscheinen: Rechte, die gemeinsam mit Grünen vor Antisemitismus warnen; queere Aktivisten, die reaktionäre Theokraten verteidigen; Friedensbewegte mit Verständnis für Kriegsherren; Postkoloniale mit Argumenten für Siedlerkolonien – und keine Querfront, die zu „queer“ ist, um nicht irgendwo im Netz eine Nische zu finden.

Wir sollten nicht einmal über den Diskurs reden. Der ist nur Mittel zum Zweck. Ein Diskurs, der sich jeder Sache bemächtigen, sie vikarisch vereinnahmen und zu unserer Sache machen kann. Wir, das sind die „WEIRD-People“ (Western Educated Industrialized Rich & Democratic), im Fall der Studentenproteste dort, wo wir am reichsten, gebildetsten, freisten und westlichsten sind: auf dem Campus unserer Universitäten. In diesem Diskurs reden wir über unser liebstes Thema: uns, auch wenn wir scheinbar gerade über euch reden; wer immer ihr gerade seid: Black lives, Palestinian lives, Female lives, Israeli lives; doesn’t matter. Wir kolonisieren jeden Diskurs – und sind dabei nicht einmal besonders geschickt.

Vorgetäuschte Solidarität

Unser Narzissmus scheint überall durch unser solidarisches Kostümspiel: Schnell geht es nicht mehr um Kinder, die in Gaza ohne Lebensmittel, Wasser und medizinische Versorgung schlichtweg krepieren, sondern darum, ob die Universitätsleitung vielleicht verhindern möchte, dass Protestierende ihr Essen ins Protestcamp geliefert bekommen. Und auf der anderen Seite geht es schnell nicht mehr um die brutale Vernichtung junger Menschenleben durch religiös fanatisierte Terroristen in Israel, sondern darum, ob man sich als privilegierte jüdische Studentin auf dem Campus noch sicher fühlen kann.

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