Steuern gegen fette Leiber

Für unseren Körper sind Zucker und Fett Brennstoff, also Leben. Seit Beginn der Menschheit hatten wir zu wenig davon. Um dieses Wenige hat man sich geschlagen und einander oft genug auch umgebracht. Deshalb hat das Essen noch immer eine verschlingende Kraft auf unsere Psyche. Die moderne Lebensmittelindustrie hat sich das zunutze gemacht, und pumpt die Menschen mit nahrstoffarmen Kohlehydraten, Zucker und Fett voll. Diabetes und Fettleibigkeit zählen zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten. Unser Problem ist nun, dass Chips, Cola, Schokolade und ein paar Burger billiger zu haben sind als einfache, frische Lebensmittel. Wir sind Billigst-Überesser geworden. 20 Prozent der US-Gesundheitskos-ten sind der Fettleibigkeit und den Folgen zuzurechnen. Aber das ist längst nicht alles: Die Krankenkosten zählen zum Bruttosozialprodukt eines Landes und addieren damit statistisch zu seinem Reichtum. Das ist das perfekte Paradox der Moderne: Wir fressen für billiges Geld immer mehr in uns hinein, werden davon immer kränker und rechnen das alles am Ende noch als unseren Wohlstand. Wie heraus aus diesem Teufelskreis? Da sich weder unsere Instinkte noch die Industrie beeindruckt zeigen, ist gesetzliche Notwehr am Platz: Fettsteuern, Zuckersteuern, massive Aufklärung. Und sage einer nicht, dass das nicht wirkt: Die Anti-Smoke-Politik der Europäischen Union hat die Raucherzahlen um 30 Prozent gesenkt. Mehr davon! (tan)

Tausche Armband gegen Steuern

Niemand ist gerne dick. Übergewicht mindert Lebensdauer und -qualität und zu allem Überfluss schleppt man auch noch ein soziales Stigma mit sich herum. Staatliche Erziehung in Form von Fett- oder Zuckersteuern sind daher eine besonders hölzerne Reaktion auf ein schwerwiegendes Problem - wer mit sich selbst unzufrieden ist, wird meist nicht glücklicher, motivierter oder stärker, wenn er dafür noch bestraft wird. Die politische Antwort auf Fettleibigkeit muss sein, Menschen zu Selbstverantwortung zu befähigen. Das beginnt bei einem Schulsystem, in dem die Bildungschancen nicht vom sozialen Status vorbestimmt sind. Und es endet bei der Förderung von Innovation. Denn das Problem beim Essen ist die Verzögerung zwischen Handlung und Auswirkung. Die Völlerei von heute schlägt erst viel später auf der Waage an. Aber Menschen lernen nur dann gut, wenn sie schnell Feedback bekommen. Wer tatsächlich bei der Ernährung unterstützen will, setzt alles daran, den Zusammenhang zwischen Essen und Übergewicht dann bewusst zu machen, wenn es darauf ankommt. Was, wenn es ein Armband gäbe, das die Kalorienzufuhr misst? So lange es grün leuchtet, darf ich essen. Doch wenn es rot blinkt, weiß ich: Es ist genug für heute. Das Verzichten auf den Nachschlag fiele so sicher leichter. Ein solches Armband gibt es nicht. Statt in neue Steuern sollte man besser in seine Entwicklung investieren. (dol)

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau