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Schwerfälliger Start für europäische GPS-Konkurrenz

Irgendwann werden auch die Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo als Weltraumschrott enden. Doch dafür müssen sie erst einmal oben ankommen. Die beiden ersten Exemplare beförderte eine russische Sojus-Rakete am 21. Oktober - mit einem Tag Verspätung - ihrer künftigen Bestimmung entgegen. Bis zum Jahr 2020 sollen 28 weitere das neue System komplettieren. Jeweils neun Satelliten werden auf drei verschiedenen Bahnen die Erde in 23.000 Kilometer Höhe umkreisen. Drei Satelliten dienen als Reserve.

Das Navigationssystem Galileo ist nicht gerade eine Erfolgsgeschichte. Ursprünglich als Public-Private-Partnerschaft geplant, zogen sich im Lauf der Zeit immer mehr Unternehmen aus dem Projekt zurück. 2007 übernahm die Europäische Kommission gemeinsam mit der ESA die Führung. Die Finanzierung erfolgt aus dem europäischen Budget. Anfang dieses Jahres machte ein Zwischenbericht der Kommission klar, dass dafür wesentlich mehr Mittel benötigt werden, als ursprünglich angenommen.

Galileo arbeitet genaue als GPS

Bis 2020 werden die Kosten 5,3 Milliarden Euro betragen. Für den laufenden Betrieb sind danach 800 Millionen Euro jährlich fällig. Trotzdem stand Galileo von offizieller Seite her nie in Frage. Das System soll Europa navigationstechnisch unabhängig von den USA und deren GPS machen. Es wird eine wesentlich genauere Positionsbestimmung bieten als das amerikanische Gegenstück, das außerdem eine militärische Unternehmung ist. Galileo wird zu GPS kompatibel sein. Empfänger auf der Erde können also Daten beider Systeme gleichzeitig nutzen, was die Präzision von Navigationsanwendungen erhöht. An Bord der Galileo-Satelliten befindet sich übrigens auch österreichische Technik: Die Firma RUAG Space aus Wien liefert mehrere Teile an die ESA. Darunter Signalgeneratoren und mechanische Einheiten zur Ausrichtung der Solarflügel nach der Sonne. (r.l.)

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