Thomas Macho - © Foto: Jan Dreer für IFK Wien

Thomas Macho: „Fleisch ist ein Festmahl“

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Klimakrise und Tierethik erfordern heute eine Wende im Fleischkonsum. Kulturphilosoph Thomas Macho über das Raubtier Mensch, perverse Machthaber und die Kunst der Askese.

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Klimakrise und Tierethik erfordern heute eine Wende im Fleischkonsum. Kulturphilosoph Thomas Macho über das Raubtier Mensch, perverse Machthaber und die Kunst der Askese.

Seit Jahren erforscht Thomas Macho die komplexen und oft widersprüchlichen Beziehungen zwischen Mensch und Tier. In seinem eben erschienenen Buch „Warum wir Tiere essen“ (Molden, 2022) verbindet er das hoch relevante Thema des Fleischkonsums mit einer historisch tiefgehenden und äußerst vielschichtigen Analyse. Die FURCHE traf ihn in Wien zum Interview (siehe FURCHE-Podcast "Warum wir Tiere essen").

DIE FURCHE: Herr Professor Macho, wenn wir an die Anfänge des Fleischverzehrs zurückgehen, zur mühsamen Nahrungssuche der steinzeitlichen Jäger und Sammler, was finden wir dort?
Thomas Macho: Zunächst sehen wir Urmenschen, die noch nicht selbst gejagt haben, sondern an der Beute anderer Raubtiere partizipierten – wie Hyänen, die auf das Aas warten. Der große Wendepunkt ist der Gebrauch des Feuers. Denn Feuer ist eine Waffe, mit der man Treibjagden veranstalten kann. Man kennt das aus Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“, wo Mogli den Tiger Shir Khan mit Feuer bekämpft. Mit dem Feuer wird es auch möglich, Fleisch gut zuzubereiten. Deshalb kommt der Anthropologe James C. Scott im Buch „Die Mühlen der Zivilisation“ zum Schluss, dass das Anthropozän bereits mit der Nutzbarmachung des Feuers begonnen hat.

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