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Wissen

Vorhang auf für Dr. Klon

1945 1960 1980 2000 2020
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Alles rätselt. Hat er nun - oder doch nicht? Egal, eines gelang ihm: Weltweit seinen Name in die Schlagzeilen zu hieven. Eine Bemerkung Severino Antinoris, nebenbei auf einer Konferenz fallen gelassen, macht die Runde: Seit acht Wochen trage eine Frau ein geklontes Kind im Schoß, eine von 200, die angeblich am Programm der Klonung des ersten Menschen teilnehmen.

Einen Weltrekord hält Antinori bereits. Er verhalf einer 63-Jährigen zu Nachwuchs - nur aus menschenfreundlichen Motiven, versteht sich. Läuft doch auch das Klonprojekt unter dem Motto, "völlig verzweifelte Paare glücklich zu machen" (O-Ton Antinori in einem Interview).

Die meisten Experten sind entrüstet, auch jene, die vehement für Versuche an Embryonen - sie laufen unter der verharmlosenden Bezeichnung "therapeutisches Klonen" - eintraten. Dabei stammt ein Großteil des Wissens, das Signore Antinori nun für sein Vorhaben einsetzen kann, von den selben Forschern, die sich jetzt echauffieren. Es werde furchtbare Fehlentwicklungen geben, heißt es. Schreckliche Missgeburten prophezeit etwa Ian Wilmut, Vater des Klon-Schafs Dolly. Beim jetzigen Stand der Technik sei das Vorhaben unverantwortlich.

Allerdings ist dieser Einwand beim rasanten Fortschritt auf diesem Gebiet zu vergessen. Sollte Antinoris Projekt nämlich heute scheitern, so gelingt es vielleicht morgen. Möglicherweise sind es auch erst übermorgen die Doctores X aus China oder Y aus den USA - im vorigen November hat sich die US-Firma Advanced Cell Technology mit Erfolgsmeldungen auf dem Sektor hervorgetan -, die sich mit dem Lorbeer des ersten Klonbabys schmücken können.

Bezeichnend ist die Sympathie für Antinori, die Robert Edwards, der 1978 dem ersten Retorten-Baby zum Leben verhalf, äußert. Er spricht von einer Pioniertat, ähnlich seiner. Auch ihm hätten Nobelpreisträger Totgeburten vorhergesagt: "Und trotzdem haben wir es geschafft."

Die Parallele gibt zu denken: Ist nicht zu befürchten, dass in ein paar Jahren der Tabubruch des Klonens von Menschen ebenso zum Alltagsgeschehen gehört wie heute die Zeugung von Kindern in der Retorte?

E-Mail: christof.gaspari@furche.at

Alles rätselt. Hat er nun - oder doch nicht? Egal, eines gelang ihm: Weltweit seinen Name in die Schlagzeilen zu hieven. Eine Bemerkung Severino Antinoris, nebenbei auf einer Konferenz fallen gelassen, macht die Runde: Seit acht Wochen trage eine Frau ein geklontes Kind im Schoß, eine von 200, die angeblich am Programm der Klonung des ersten Menschen teilnehmen.

Einen Weltrekord hält Antinori bereits. Er verhalf einer 63-Jährigen zu Nachwuchs - nur aus menschenfreundlichen Motiven, versteht sich. Läuft doch auch das Klonprojekt unter dem Motto, "völlig verzweifelte Paare glücklich zu machen" (O-Ton Antinori in einem Interview).

Die meisten Experten sind entrüstet, auch jene, die vehement für Versuche an Embryonen - sie laufen unter der verharmlosenden Bezeichnung "therapeutisches Klonen" - eintraten. Dabei stammt ein Großteil des Wissens, das Signore Antinori nun für sein Vorhaben einsetzen kann, von den selben Forschern, die sich jetzt echauffieren. Es werde furchtbare Fehlentwicklungen geben, heißt es. Schreckliche Missgeburten prophezeit etwa Ian Wilmut, Vater des Klon-Schafs Dolly. Beim jetzigen Stand der Technik sei das Vorhaben unverantwortlich.

Allerdings ist dieser Einwand beim rasanten Fortschritt auf diesem Gebiet zu vergessen. Sollte Antinoris Projekt nämlich heute scheitern, so gelingt es vielleicht morgen. Möglicherweise sind es auch erst übermorgen die Doctores X aus China oder Y aus den USA - im vorigen November hat sich die US-Firma Advanced Cell Technology mit Erfolgsmeldungen auf dem Sektor hervorgetan -, die sich mit dem Lorbeer des ersten Klonbabys schmücken können.

Bezeichnend ist die Sympathie für Antinori, die Robert Edwards, der 1978 dem ersten Retorten-Baby zum Leben verhalf, äußert. Er spricht von einer Pioniertat, ähnlich seiner. Auch ihm hätten Nobelpreisträger Totgeburten vorhergesagt: "Und trotzdem haben wir es geschafft."

Die Parallele gibt zu denken: Ist nicht zu befürchten, dass in ein paar Jahren der Tabubruch des Klonens von Menschen ebenso zum Alltagsgeschehen gehört wie heute die Zeugung von Kindern in der Retorte?

E-Mail: christof.gaspari@furche.at