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"Weder riskant noch sicher"

Helmut Gaugitsch, Experte für Biologische Sicherheit am Umweltbundesamt, über die Gentechnik.

Die Furche: Herr Gaugitsch, Ingo Potrykus meint, dass wir alle immer schon gentechnisch veränderte Nahrung gegessen haben, weil auch bei klassischen Züchtungen neue Gene eingekreuzt werden.

Helmut Gaugitsch: Das ist fachlich nicht korrekt. Erst durch die Gentechnik können Artgrenzen überschritten werden. Damit entstehen neue Unwägbarkeiten, was eine strenge Prüfung von GV-Pflanzen rechtfertigt.

Die Furche: Wenn Fisch-Gene in Erdbeeren eingeschleust werden, scheint das vielen Leuten irgendwie unnatürlich, ja unheimlich zu sein.

Gaugitsch: Das ist wohl eine sehr menschliche Reaktion. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Tatsache, dass ein artfremdes Gen eingebracht wird, zwar kein Grund zur Panikmache, rechtfertigt aber jedenfalls eine fundierte Risikoabschätzung.

Die Furche: Laut Potrykus lässt sich für Golden Rice nicht einmal eine hypothetische Gefahr ausdenken.

Gaugitsch: Dies muss durch die notwendigen Experimente geklärt werden. Für die Zulassung gibt es einen Prüfungskatalog mit konkreten Fragen wie: Kann sich die Pflanze unkontrolliert verbreiten? Können die neuen Gene an andere Kulturpflanzen weitergegeben werden? Etc.

Die Furche: Jahrelange Tests erwecken den Eindruck, dass GV-Pflanzen sehr gefährlich sind.

Gaugitsch: Die Gentechnik ist weder riskant noch sicher. Das kann nur von Fall zu Fall entschieden werden. Wenn eine Pflanze die Tests besteht, dann spricht nichts grundsätzlich gegen eine Verwendung. Davor müssen aber die derzeit mangelhaften Standards deutlich verbessert werden, obwohl oder gerade weil zum Beispiel in Argentinien bereits 98% der angebauten Sojapflanzen gentechnisch verändert sind.

Die Furche: In Österreich sind GV-Pflanzen weiterhin absolut unerwünscht …

Gaugitsch: Die Risikofolgenabschätzung liefert die wissenschaftlichen Fakten. Die Entscheidung für oder gegen eine Verwendung ist letztlich aber eine politische.

Die Furche: Welchen Rat würden Sie Professor Potrykus geben?

Gaugitsch: Wie für jedes andere Produkt müssen zuerst die notwendigen Sicherheitstests gemacht werden.

Das Gespräch führte Thomas Mündle.

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