Quantenphysik - © Foto: ÖAW

"Zufall ist faszinierend"

1945 1960 1980 2000 2020

Experimentalphysiker Anton Zeilinger im Interview.

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Experimentalphysiker Anton Zeilinger im Interview.

DIE FURCHE: Die Quantenwelt ist durch eine Kategorie geprägt, die in den Wissenschaften meist nichts verloren hat: den Zufall. Wie können Wissenschafter mit so viel Unsicherheit leben?

Zeilinger: Die Wissenschafter können damit ohne weiteres leben. Wenn man aber den Leuten sagt: Wichtige Dinge in eurem Leben sind womöglich reiner Zufall, dann halten sie das nicht aus. Dann versuchen sie einen anderen Grund zu finden: Gott oder das Schicksal. Einen reinen Zufall anzunehmen, ist verdammt hart. Aber ich finde es faszinierend.

DIE FURCHE: Die Quantenwelt ist durch eine Kategorie geprägt, die in den Wissenschaften meist nichts verloren hat: den Zufall. Wie können Wissenschafter mit so viel Unsicherheit leben?

Zeilinger: Die Wissenschafter können damit ohne weiteres leben. Wenn man aber den Leuten sagt: Wichtige Dinge in eurem Leben sind womöglich reiner Zufall, dann halten sie das nicht aus. Dann versuchen sie einen anderen Grund zu finden: Gott oder das Schicksal. Einen reinen Zufall anzunehmen, ist verdammt hart. Aber ich finde es faszinierend.

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DIE FURCHE: Ein besonders rätselhaftes Quantenphänomen ist die Verschränkung. Gibt es dafür eine plausible Erklärung?

Zeilinger: Diese Vorgänge kann man schwer mit unserem normalen Verständnis in Einklang bringen. Was hinter der Verschränkung steckt, ist der Umstand, dass die Dinge ihre Eigenschaften nicht besitzen, ohne dass man sie überprüft, ohne dass man hinsieht.

DIE FURCHE: Sie sind durch die Teleportation von Photonen als "Mr. Beam" berühmt geworden. Was haben Ihre Experimente mit dem Beamen in "Star Trek" gemeinsam?

Zeilinger: In beiden Fällen gelingt es, ein Original an einer bestimmten Stelle verschwinden zu lassen und anderswo ein neues Original zu rekonstruieren - aber in unserem Fall handelt es sich nur um einzelne Lichtteilchen. Worin wir uns unterscheiden ist, dass in der Teleportation nicht Materie übertragen wird, sondern die Information, die ein System trägt. Das wäre so, als ob jemand magisch in meinem Auto über Nacht alle Eisenatome gegen andere Eisenatome austauschen würde: Es wäre am nächsten Morgen immer noch das gleiche Auto.

DIE FURCHE: Es wäre wohl das gleiche Auto, aber nicht das selbe...

Zeilinger: Das ist eine philosophische Frage. Ich würde behaupten: Es ist nicht nur das gleiche, sondern das selbe, wenn es ohne Ausnahme alle Eigenschaften des Originals besitzt.

DIE FURCHE: Könnte es jemals möglich werden, auch Menschen zu teleportieren?

Zeilinger: Nein, das ist Science Fiction und wird es auch bleiben.

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