Maria - © Foto: Ulrich Kehrer

Geköpfte Maria im Linzer Mariendom: Schoß des Anstoßes

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Die gebärende Maria im Linzer Mariendom hat heftige Reaktionen ausgelöst. Unbekannte köpften die Skulptur der Künstlerin Esther Strauß, nachdem sie von rechtskonservativen Kreisen scharf kritisiert worden war. Dabei füllt sie eine ikonographische Leerstelle.

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Die gebärende Maria im Linzer Mariendom hat heftige Reaktionen ausgelöst. Unbekannte köpften die Skulptur der Künstlerin Esther Strauß, nachdem sie von rechtskonservativen Kreisen scharf kritisiert worden war. Dabei füllt sie eine ikonographische Leerstelle.

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Zuerst das Fastentuch von Gottfried Helnwein im Stephansdom, dann Florentina Holzingers Tanzperformance „Sancta“ bei den Wiener Festwochen – und nun eine gebärende Maria im Linzer Mariendom: Das Reibungsfeld „Kunst und Kirche“ produzierte in den vergangenen Monaten nicht wenig Empörung. Meist empörten sich gut vernetzte rechtskatholische bis fundamentalistische Kreise via kath.net über die „Verletzung religiöser Gefühle“; manchmal – wie im Fall von „Sancta“ – konstatierten aber auch Kunstaffine wie der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler schlicht mangelnde Qualität.

Empörung und Vandalismus im Mariendom

Nun, im Mariendom, wurde die Empörung erstmals handgreiflich: Unbekannte sägten der hölzernen Skulptur „crowning“ der Künstlerin Esther Strauß, die eine gebärende Maria mit entblößtem Unterleib und gespreizten Beinen zeigt, kurzerhand den Kopf ab. Zuvor war auf kath.net gegen die „Skulptur der Hässlichkeit“ agitiert und zum Protest gegen Bischofsvikar Johann Hintermaier aufgerufen worden. Dieser zeigte sich bestürzt über den Gewaltakt, bedauerte aber, „wenn wir religiöse Gefühle von Menschen verletzt haben“.

Künstlerisch füllt die Skulptur freilich eine ikonographische Leerstelle – und theologisch ist sie am Punkt: In der Geburt Jesu ist Gott ganz Mensch, ist das Wort Fleisch geworden (Inkarnation). Ein Skandal – wie ein Gott am Kreuz.

Esther Strauß’ nun kopflose Skulptur bringt dies provokant ins Bild. Als Stein und Schoß des Anstoßes.

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