Minoritenkirche - © iStock/KarelGallas

Piusbrüder übernehmen Wiener Minoritenkirche

1945 1960 1980 2000 2020

Wie die Lefebvrianer zur markanten Wiener Innenstadtkirche kamen.

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Wie die Lefebvrianer zur markanten Wiener Innenstadtkirche kamen.

Bislang feierten sie ihre Gottesdienste in Wien-Neubau – in einer umgebauten Garage. Nun hat „der Himmel uns in Wien ein Geschenk gemacht, das unsere kühnsten Erwartungen überstiegen hat“. So jubeln die österreichischen Piusbrüder über einen Coup, der hierzulande noch kaum bekannt geworden ist: Seit Juni scheint die „Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX)“, wie die schismatischen Lefebvrianer offiziell heißen, im Grundbuch als Eigentümerin der Wiener Minoritenkirche auf.

Die markante Kirche aus dem 14. Jahrhundert, deren Architektur die Silhouette der Inneren Stadt mitprägt, wird nun von den Traditiona­listen geführt. Möglich war dies, weil seit Joseph II. die katholische Kirche nicht mehr Eigentümerin des Gebäudes ist. Der Kaiser hatte das Gotteshaus damals den Minoriten genommen und diese in ein Kloster in der Alser Vorstadt transferiert, wo sie bis heute tätig sind. Die Minoritenkirche übergab er den in Wien ansässigen Italienern als Nationalkirche, sie wurde von der „Italienischen Kongregation“ betreut. Diese bis heute bestehende Laienorgani­sation bot die Kirche nun den Piusbrüdern zur Schenkung an, die mit der Grundbucheintragung am 29. Juni vollzogen wurde.

Für den Festtag Maria Namen am 12. September ist eine der ersten öffentlichen Manifestationen der neuen Herren in der alten Kirche angekündigt – ein „levitiertes Hochamt“ und eine nachfolgende „Prozession durch die Straßen Wiens mit der Musikkapelle ‚Die Kaiserjäger‘“. Im Anschluss daran soll eine „Weihe Österreichs an die Mutter­gottes“ vollzogen werden.

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