Ágota Kristóf  - Ágota Kristóf - © Foto: APA / AFP / MTI / MTVA / Gyula Czimbal
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Das Selbst zur Sprache bringen: Ágota Kristófs „Die Analphabetin“

In „Die Analphabetin“ erzählte Ágota Kristóf 2004 ihr Leben: vom Aufwachsen im kommunistischen Ungarn über die Flucht bis zur Arbeit in einer Schweizer Uhrenfabrik. Und von der Bedeutung des Lesens und Schreibens.

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Nahezu jede Zeile dieses schmalen Bandes will unterstrichen werden. Die ungarisch-schweizerische Autorin Ágota Kristóf (1935-2011) skizziert auf wenigen Seiten, was es bedeuten kann, das Selbst zur Sprache zu bringen. „Die Analphabetin“ ist eine minimalistische, konzentrierte autobiografische Erzählung, ihr Ton ist klar und hell, dazu kommt eine hohe Dringlichkeit, eine harte Schönheit. Der Text ist bestimmt durch die verknappte Form, durch Auslassungen und Richtungswechsel; eher eine Handvoll Lebenssplitter, schillernd und scharfkantig, als eine klassische Autobiografie.

Zunächst führt die Autorin durch Schlaglichter ihrer Kindheit im kommunistischen Ungarn. „Ich lese. Es ist wie eine Krankheit.“ Das Mädchen Ágota liest schon mit vier Jahren alles, was ihm in die Finger kommt. Dass diese „Krankheit“ unweigerlich zum Schreiben führen muss, wird hier in eindringlichen Worten gesetzt. Wir tauchen kurz in die Kindheitswelt der Erzählerin und ihrer Geschwister, sie ist lebendig und rau, eine Welt, in der es sich gut aushalten lässt, wenn auch keine heile. „Die Lust zu schreiben wird sich später einstellen, wenn der Silberfaden der Kindheit zerrissen ist, wenn die schlechten Tage kommen und die Jahre, von denen ich sagen werde: ‚Ich mag sie nicht.‘“

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