
„Wer wissen will, warum Herr Lastufka Frauen belästigt, kann ja bei ihm nachfragen“, schrieb Grünen-Politikerin Sigi Maurer im Jahr 2018, als sie obszöne Privatnachrichten vom Facebook-Profil eines Wiener Craftbeer-Shops öffentlich machte. Daraufhin klagte sie der Besitzer. Den Inhalt dieser Nachrichten muss man an dieser Stelle nicht wiederholen.
Die „Bierwirt“-Causa zog sich mit großer Medienpräsenz über drei Jahre, bis sie schließlich in einem Freispruch Maurers endete. Heiß diskutiert wurde damals die Aktion der Politikerin, die zum Prozess führte – mache Maurer damit aus einer Mücke einen Elefant? Als derselbe Mann nur wenige Monate später seine Lebensgefährtin ermordete, schlug dies vergleichsweise wenig Wellen. Mediale Diskussionen blieben aus.
Eine gefährliche Entwicklung
Wie schnell digitale Gewalt zu analoger Gewalt werden kann, zeigen neue Daten einer UN-Studie. Analysiert wurden die On- und Offline-Erfahrungen von Frauen, die durch ihre Tätigkeit in den Bereichen Menschenrechte, Aktivismus oder Journalismus in der Öffentlichkeit stehen. 70 Prozent von ihnen waren auf Grund ihrer Arbeit schon einmal Online-Gewalt ausgesetzt.
Doch dabei bleibt es oftmals nicht: 42 Prozent der Befragten erlebten Offline-Missbrauch, Belästigung oder Angriffe, die im Internet ihren Anfang genommen haben – mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr 2020.
Hinter dem Anstieg werden die gesunkenen Barrieren bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz vermutet, die Online-Missbrauch zunehmend erleichtert. Fast jede vierte Befragte, die von digitaler Gewalt betroffen war, machte diese Erfahrung in Zusammenhang mit KI-Tools.
Dabei ist nicht nur die Erstellung missbräuchlicher Onlineinhalte, wie etwa Deepfakes, einfacher und kostengünstiger geworden, auch eine schnellere Verbreitung wird durch entsprechende Plattform-Algorithmen begünstigt.
