Harald Krassnitzer in „Der verlorene Mann“ - Das Szenenfoto aus dem Film „Der verlorene Mann“ zeigt Harald Krassnitzer draußen in Nahaufnahme. - © Maverick-Film / Merki und Reinhart Film / BR und Filmwelt
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„Angst ist kein hilfreicher Begleiter“, sagt Harald Krassnitzer

In „Der verlorene Mann“ trifft stilles Kammerspiel auf große emotionale Fragen: über Liebe im Alter, Erinnerung, Demenz, Identität – und das, was bleibt, wenn Gewissheiten zerbrechen. Ein Gespräch mit Schauspieler Harald Krassnitzer.

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Drei Menschen, ein begrenzter Raum und eine Situation, die sich leise, aber unausweichlich zuspitzt: „Der verlorene Mann“ (jetzt im Kino) erzählt von Begegnungen, die alte Wunden öffnen und zugleich neue Nähe entstehen lassen. Der demente Kurt (Harald Krassnitzer) taucht bei seiner früheren Geliebten Hanna (Dagmar Manzel) und ihrem Ehemann, dem Pastor Rainer (August Zirner), auf und bringt ihren Alltag durcheinander.

Seine Krankheit verschiebt die Realität zunehmend, und Hanna und Rainer geraten in einen emotionalen Konflikt zwischen Mitgefühl, alter Liebe und der Frage, wie viel Nähe und Verantwortung sie zulassen können. Regisseur Welf Reinartz setzt dabei auf die Kraft des Kammerspiels – auf das Ungesagte, auf Blicke, auf Momente zwischen den Figuren. Im Zentrum steht kein klassisches Krankheitsdrama, sondern eine vielschichtige Erzählung über Liebe, Freundschaft und die Fragilität menschlicher Beziehungen.

DIE FURCHE: Der Film entfaltet eine sehr ruhige, fast stille Atmosphäre. Diese wirkt beinahe wie ein Spiegel der Krankheit selbst. War diese besondere Aura ein bewusst gesetztes Ziel?

Harald Krassnitzer: Ich würde weniger von Stille sprechen, sondern eher von einer „beredten Ruhe. Diese Ruhe ist keineswegs leer, sondern voller Spannungen und Fragen. Es geht um Verantwortung, um Liebe, um Eifersucht, um moralische Grenzen. Gerade weil vieles nicht laut ausgesprochen wird, entsteht eine enorme Intensität.

Die Figuren sind mit existenziellen Fragen konfrontiert: Wie weit reicht Nächstenliebe? Was passiert, wenn alte Verletzungen wieder aufbrechen? Und was geschieht, wenn Gefühle zurückkehren, die man längst überwunden glaubte? Diese Konflikte sind alles andere als leise – sie äußern sich nur auf eine sehr subtile Weise.

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