
Er kann – und will es nicht lassen. Kaum war Leos XIV. „Streit“ mit Donald Trump aus den Schlagzeilen verschwunden, legte sich der Landsmann auf dem Stuhl Petri wieder mit dem Weißen Haus an: Denn Trump lässt die Todesstrafe auf US-Bundesebene wieder aufleben und holt die Exekution durch Erschießungskommandos aus der Mottenkiste der Zivilisation hervor. Alle Päpste der letzten Jahrzehnte haben aber die Todesstrafe abgelehnt, Papst Franziskus nahm sogar in den Weltkatechismus auf, dass „die Todesstrafe unzulässig ist, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt“. In einer Videobotschaft zitierte dies Leo XIV. auf Englisch. Konservativen US-Amerikanern, darunter viele Katholiken, ist diese lehramtlich-katholische Position ein Dorn im Auge.
Das mag für europäische Augen ebenso schwer verständlich sein wie die hochgeschaukelte Debatte über den „gerechten Krieg“. Die dieser Debatte zugrunde liegende Theorie fußt wie so vieles auf Überlegungen des Augustinus, die in der mittelalterlichen Scholastik ausdifferenziert wurden. Aber seit den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und im Angesicht möglicher Massenvernichtung durch nukleare, biologische oder chemische Waffen hat sich die Rede vom „gerechten Krieg“ verändert. Angefangen bei der Friedensenzyklika Pacem in terris von Johannes XXIII. (1963) haben die Päpste einer Friedensethik statt einer moralischen Rechtfertigung des Kriegs das Wort geredet.
Krieg kann keine Lösung sein
Auch damit hat sich zuletzt Papst Franziskus in der Enzyklika Fratelli tutti (2020) auseinandergesetzt, wo er zum Schluss kommt, man könne „den Krieg nicht mehr als Lösung betrachten, denn die Risiken werden wahrscheinlich immer den hypothetischen Nutzen, der ihm zugeschrieben wurde, überwiegen. Angesichts dieser Tatsache ist es heute sehr schwierig, sich auf die in vergangenen Jahrhunderten gereiften rationalen Kriterien zu stützen, um von einem ‚gerechten Krieg‘ zu sprechen.“
Dass in den USA nun die Debatte über den gerechten Krieg wieder fröhliche Urständ feiert, mag diesseits des Atlantiks verstören, wo Leos Mahnungen als selbstverständliche Intervention wider Gewalt und Morden und als Aufruf, alle gewaltärmeren Mittel einzusetzen, verstanden werden. In den USA wird der „gerechte Krieg“ auch von den (bischöflichen) Verteidigern der Positionen Leos XIV. in ihrer Argumentation herangezogen – und zwar in dem Sinn, dass Trumps militärischer Einsatz gegen den Iran eben nicht den Kriterien eines „gerechten Krieges“ entsprechen würde.
Der Washingtoner Kardinal Robert McElroy etwa führte in einem Interview drei Gründe an, warum der Irankrieg kein gerechter sei: Erstens fehle es an einem „gerechten Grund“, McElroy: „Unser Land reagierte nicht auf einen bestehenden oder unmittelbar bevorstehenden und objektiv nachweisbaren Angriff des Iran.“ Außerdem lehne die katholische Soziallehre Präventivkriege ab. Zweitens fehle das Kriterium der „rechten Intention“, die Ziele der USA in diesem Kriege seien „völlig unklar“. Und als drittes verfehltes Kriterium für einen gerechten Krieg sei es, so McElroy, „alles andere als klar, ob der Nutzen dieses Krieges den angerichteten Schaden überwiegen wird“.

