Was immer noch unsittlich ist

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Bei der Volksbefragung 1978 habe ich gegen ein Kernkraftwerk in Zwentendorf gestimmt - nicht gegen Kreisky und auch nicht wegen befürchteter Risiken im Betrieb. Ich habe es für höchst unsittlich gehalten, Millionen Jahre radioaktiv strahlenden AKW-Abfall in sogenannten Zwischenlagern anzusammeln und die Entsorgung auf Dauer künftigen Generationen zu überlassen.

Den Betrieb hielt ich in Westeuropa für relativ sicher. Nur für Schrottanlagen im Sowjet-Imperium wollte niemand garantieren. Der Mega-Unfall Tschernobyl 1986 schien das zu bestätigen. Nun also die Katastrophe von Fukushima - in einem Land, das in der Technik zur Weltspitze zählt und nach Hiroshima und Nagasaki gegen atomare Leichtfertigkeit gefeit sein sollte. Jetzt sagen japanische Fachleute ersten Ranges: "Die Anlage war gegen jedes vorstellbare Risiko gewappnet.“ Das hieß: gegen ein Erdbeben der Stärke 7. Und was war mit Stärke 9 samt Tsunami? "Das konnte niemand voraussehen.“ Aha. Wir sind gegen alle vorstellbaren Risiken gesichert - was trotzdem passiert, war einfach nicht voraussehbar.

Vermutlich wird auch Fukushima - so wie der Weltfinanzskandal - keine tiefgreifenden Konsequenzen haben. "Finanzwirtschaft, Staaten und Atombranche haben eines gemeinsam: Eine gewachsene Kultur des Vertuschens und Versteckens verstellt den Blick auf die Realität und verhindert eine echte Umkehr.“ Danke, liebe Presse, für diese Zeugenschaft (17. März, S. 17). Aber ich brauche keine neuen Beweise für die Betriebssicherheit von Atomkraftwerken. Mir genügt noch immer das Motiv zum Nein von 1978: der Skandal der Atommüllverstecke. "Aber geh“, beruhigen mich wohlmeinende Kenner der Lage. "Manche sogenannte Zwischenlager sind natürlich schon Endlager, nur sagen kann man es nicht.“ Wenn ’s so ist, dann bleibt nur der Abscheu vor der Feigheit verantwortlicher Politiker.

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