Die offene Gesellschaft können wir uns laut der in Innsbruck lehrenden Philosophin Marie-Luisa Frick wie einen wilden Garten vorstellen, in dem auch allerlei wuchert, das man vielleicht selbst für Unkraut hält. Sie warnt vor denen, die mit der Heckenschere die Meinungen anderer zurechtstutzen wollen.
DIE FURCHE: Was ist Freiheit?
Marie-Luisa Frick: Freiheit ist ein großer Begriff. Verschiedene Theorien haben versucht, ihn auszudeuten. Keine Definition davon ist neutral. Ich würde versuchen, eine möglichst große Vielfalt an Theorien am Gespräch darüber teilhaben zu lassen. Im klassischen philosophischen Verständnis ist Freiheit eine Ermöglichung von Handeln und Denken, das eben nicht behindert wird durch externe Einflüsse. Man kann unterscheiden zwischen Handlungsfreiheit, Gedankenfreiheit, Willensfreiheit. Es geht zunächst darum, dass etwas abwesend ist: nämlich Störung, Hindernis oder Zwang. Da stellt sich gleich die Frage: Was ist Zwang? Was ist eine Einschränkung von Freiheit? Welche Einschränkung ist abzulehnen, welche ist vielleicht unvermeidbar?
DIE FURCHE: Sie haben jetzt schon externe Unfreiheit angesprochen. Das ist klar: Im Gefängnis ist man äußerlich unfrei. Gibt es auch interne Unfreiheiten? Was kann einen da einschränken?
Frick: Die Psychologie hinterfragt hier einiges. Wir wissen spätestens seit Sigmund Freud, dass es Dinge in uns gibt, die subrational wirken: Triebe, Gefühle, Leidenschaften, Neigungen, die wir nicht völlig kontrollieren können, die aber Teil unserer Persönlichkeit sind.

