Atompilz - Schwarz-weiß-Foto von einem Atompilz.  - © APA / AFP / US Defense Nuclear Agency

„Atom“ von Steffen Kopetzky: Kampf um die Wunderwaffen

Ein Spionageauftrag, eine verlorene Liebe, nukleare Geheimnisse und der Wettlauf um die Atombombe stehen im Zentrum von Steffen Kopetzkys spannendem neuem Roman „Atom“.

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Spätestens seit seinem 2015 erschienenen Roman „Risiko“ weiß man, dass Steffen Kopetzky alle Fähigkeiten besitzt, um historische Romane zu schreiben, die viel mehr sind als plumpe, auf triviale Weise sich die Vergangenheit aneignende Schmonzetten. Ging es in „Risiko“ um eine deutsche Expedition, die Ende 1914 ins asiatische „Herzland“, nach Afghanistan, entsendet wird, verknüpfte er in „Propaganda“ vier Jahre später gekonnt Ereignisse aus dem zu Ende gehenden Zweiten Weltkrieg mit dem amerikanischen Versagen in Vietnam.

Der Roman „Atom“ konzentriert sich ganz auf die letzte Phase des Zweiten Weltkriegs und schildert den dramatischen Wettlauf um die erste Atombombe. Wird es einer der Mächte gelingen, die Kernspaltung so für sich zu nutzen, dass mit einem atomaren Schlag der Krieg entschieden werden, sich das Blatt für das Deutsche Reich noch einmal wenden könnte? Um das Spannungsmoment dieser Zeit plastisch zu machen, greift Kopetzky – basierend auf ausführlichen Recherchen – zu dem beliebten erzählerischen Mittel, das historisch Komplexe aus der Perspektive ausgewählter beteiligter Akteure darzustellen.

Englischer Physiker, deutsche Kommilitonin

Der Roman setzt quasi mit einem Prolog im Berlin der Jahre 1926/27 ein. Sascha, ein russischer Emigrant, der junge englische Physikstudent Simon Batley und seine deutsche Kommilitonin Hedwig von Treyden unternehmen harmlos scheinende Ausflüge zum Wannsee. Doch hinter dem Badevergnügen stecken Aktivitäten der Geheimdienste. Simon hat sich vom britischen Auslandsgeheimdienst MI6 anheuern lassen, doch die Situation eskaliert, ohne dass Simon die genauen Hintergründe dieser Operation begreifen würde. Unabhängig davon werden er und Hedwig, Hedi genannt, ein Paar, bis sich ihre Wege in den 30er Jahren abrupt trennen.

Nach diesem Auftakt macht der Roman einen Zeitsprung in das Jahr 1939. Simon hat mittlerweile promoviert und lässt sich, obwohl das nie seine Absicht war, ein weiteres Mal vom Geheimdienst und seinem Repräsentanten Scully Hamilton anwerben. Es geht ihm darum, sein Land vor den Nationalsozialisten und deren imperialistischen Plänen zu schützen, und zugleich scheint sich für ihn so die Möglichkeit aufzutun, seine verlorene Liebe Hedi, die offensichtlich für die deutsche Seite arbeitet, wieder aufzuspüren.

Simon, Hedi und Scully sind Figuren, die sich Steffen Kopetzky ausgedacht hat. Er konfrontiert sie – das ist gewissermaßen seine Erzählmethode – mit historisch verbürgten Personen, die in Wissenschaft, Militär und Politik das dramatische Kriegsgeschehen steuern wollen. So erleben wir en passant Wernher von Braun, Hermann Oberth, Carl Friedrich von Weizsäcker oder Admiral Wilhelm Canaris, sogar Rudolf Heß und Winston Churchill werden Romanfiguren. Während Ersterer 1941 einen von den Nazis als Verrat bezeichneten Alleinflug nach Schottland unternimmt, in Kriegsgefangenschaft gerät und Simon gegenüber über seine dubiosen Absichten schwadroniert, lässt sich der englische Premierminister im „Strampleranzug“ in einem Unterschlupf sitzend über die deutschen Pläne informieren.

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