
Politik muss immer perfekt aussehen ‒ aber Harald Friedls Doku „Wahlkampf“ über den Weg zur Nationalratswahl 2024 zeigt: Politik ist auch nur ein besser organisiertes Chaos – mit vielen Kaffeeflecken. Und mittendrin: Andreas Babler, plötzlich Hoffnungsträger, Projektionsfläche und One-Man-Show in Personalunion. Einer, der die SPÖ gleichzeitig eint und spaltet, was in Österreich eigentlich fast schon als Qualitätsmerkmal gilt.
Nicht die Reden, sondern das Davor und Danach
Friedl interessiert sich dabei erfreulich wenig für die großen Reden und umso mehr für das, was davor und danach passiert: Dieses ewige „Was sagen wir wann zu wem?“, das in Sitzungsräumen zu einer Mischung aus Psychologie-Seminar und Werbeagentur ausartet.
Junge Mitarbeiter träumen vom Wahlsieg, während Marketingexperten Slogans zurechtschleifen, bis sie glatt genug sind, um niemandem weh zu tun – und genau deshalb nicht funktionieren. Es werden sehr viele Hände geschüttelt. Babler lächelt, hört zu, nickt, gibt den einfachen Mann aus dem Volk.
