„Schicklgruber“ am Theater in der Josefstadt: Der Führer und die Sterne
Während Hitler das Horoskop studiert, fallen die Bomben. „Zwilling bin ich im Aszendenten, mein Führer“, stottert Hermann Göring, als er erfährt, dass ihm mit dem vermeintlichen Skorpion im Sternbild kein Glück am Schlachtfeld blühen soll. „Das ändert alles“, ruft ihm der Diktator zu und decouvriert seine mörderische Politik als Zufallsergebnis eines Wahnsinnigen.
„Schicklgruber“ lautete ursprünglich der Nachname von Adolf Hitlers unehelich geborenem Vater und ist der Titel der nun am Theater in der Josefstadt gespielten Satire, die bereits 2003 am Schauspielhaus uraufgeführt wurde. Nikolaus Habjan inszenierte mit Manuela Linshalm das Stück neu für das Deutsche Theater Berlin, nun ist es wieder in Wien zu sehen. Ein Riesengewinn, denn es erzählt ein schweres Thema ganz leicht und stellt mit bitterer Ironie seine Aktualität unter Beweis.
Was sind das für Menschen, die Kriege anzetteln, morden und brandschatzen? Habjan entlarvt mit seinen Klappmaulpuppen die armselige Lächerlichkeit brutaler Machthaber. Bizarr sind Hitler, Goebbels, Göring und Eva Braun gestaltet, Karikaturen, voll dummen Stolzes und Eitelkeit, jämmerliche Großmäuler, deren verbrecherische Politik sich an astrologischen Prophezeiungen orientiert.
Der überdimensionale Göring etwa trägt eine Schweinsmaske; neben diesem fetten Feigling ist Hitler ein Winzling, der im Führerbunker seinen 56. Geburtstag feiert. Eine Schwarzwälder Kirschtorte mit nur einer Kerze, die ihn zur Weißglut treibt, wartet auf ihn, sie spiegelt sich am oberen Bühnenrand, wo der Reichsadler eine ebensolche Torte in seinen Krallen hält. Grandios parodiert Habjan Hitlers Sprechstil; wenn er sich über die Torte echauffiert, klingt es wie ein Kriegsbefehl.
Sowohl Habjan als auch Linshalm zeigen verschiedenste Facetten von Machtgier, Prominentengeilheit, aber auch Einsamkeit und inneren Nöten. Helmut etwa, Görings einziger Sohn unter den sechs Kindern – die schon zu Beginn wie Gespenster über die Bühne gleiten, ein Bild, das die Ermordung durch ihre Eltern vorwegnimmt –, sehnt sich danach, mit seinem Papa zu sprechen, doch Goebbels ist mit der Rede des „Führers“ beschäftigt. Den körperlichen und spielerischen Kraftakt bewältigen Habjan und Linshalm mit scheinbarer Leichtigkeit. Und der große Gevatter Tod kommt als heiterer, wenn auch mit seinen Verpflichtungen überforderter Entertainer. Nur der Kammerdiener und das Kammermädchen sind Menschen in dem Gruselkabinett an Mördern. Eine fein arrangierte, kluge Inszenierung, die zu Recht mit viel Applaus bedacht wurde.

