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Durch das Social Egg Freezing sollte man keine falsche Hoffnung wecken, sagt eine Expertin
Nur 11,5 Prozent der Frauen und 15,3 Prozent der Männer zwischen 25 und 29 Jahren wunschen sich explizit keine Kinder. Für die meisten gehören eigene Kinder also zu einem erfüllten Leben dazu. Frauen wie Männer wünschen sich hierzulande im Durchschnitt rund zwei Kinder, so Statistik Austria. Doch was, wenn sich die Familiengründung trotz Kinderwunsch hinauszögert, etwa weil die beruflichen und finanziellen Voraussetzungen oder eine stabile Partnerschaft fehlen?
Hier verspricht die Fortpflanzungsmedizin eine Lösung in Form des „Social Egg Freezing“. Dabei lassen Frauen ihre Eizellen in einem jungeren Alter einfrieren, um mit diesen zu einem späteren Zeitpunkt ‒ wenn die Lebensumstände besser passen ‒ durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Natürlich nur im besten Fall, denn Erfolgsgarantie gibt es keine.
Bisher war Social Egg Freezing in Österreich untersagt. Doch dieses ausnahmslose Verbot hob der Verfassungsgerichtshof 2025 auf. Mit 1. April 2027 wird das VfGH-Erkenntnis wirksam. Bis dahin sollte sich die Gesetzgebung auf rechtliche Grundlagen einigen. So konnte es Einschränkungen geben, was das Alter der Frauen, die Dauer der Lagerung der Eizellen oder Werbemaßnahmen durch Anbieter betrifft.
Welche Kriterien so ein Gesetz unbedingt festlegen sollte und ob Social Egg Freezing die Geburtenzahl anheben konnte, erklärt die Sozialwissenschafterin Johanna Kostenzer im FURCHE-Interview. Sie beschäftigt sich mit Fragen der Reproduktionsgesundheit und hat im Rahmen ihrer Tatigkeit an der Erasmus Universitat Rotterdam zum Thema Social Egg Freezing geforscht. Aktuell ist sie fur BBMRI-ERIC tatig, die Europäische Forschungsinfrastruktur fur Biobanken und biomolekulare Ressourcen.
DIE FURCHE: Warum nehmen Frauen Social Egg Freezing in Anspruch?
Johanna Kostenzer: Es wird oft gesagt, dass Frauen heute Ausbildung und Karriere priorisieren und deshalb die Familiengründung bewusst nach hinten verschieben. Beim Social Egg Freezing ist tatsächlich der fehlende Partner der Hauptgrund. Ich habe in den Niederlanden mit 35- bis 40-jahrigen Frauen gesprochen, die ihre Eizellen einfrieren haben lassen. Die meisten von ihnen waren in keiner oder in einer instabilen Beziehung – sie hatten einen Wunsch nach Familiengründung, nicht nur nach einem Baby. Sie wollen sich mehr Zeit verschaffen, um doch noch den passenden Partner dafür zu finden.








