
Gerhard Steger ist Experte für freies Theater, Hypochondrie und angewandten Masochismus. Denn das wird man zwangsläufig als langjähriger Leiter der Budgetsektion des Finanzministeriums. 16 Jahre lang hat Steger als inoffizieller Säckelwart der Republik darum gekämpft, die Schulden im Zaum zu halten und die Arithmetik nicht ganz zu verraten. Sein zentrales Jobprofil dabei? Unbequeme Wahrheiten formulieren, Heilige Kühe schlachten und fair Schmerzen bereiten. Ohne das gehe es nämlich nicht, meinte Steger vor der Präsentation des Doppelbudgets für 2027/28 in zahlreichen Interviews, unter anderem in der ZIB 2. Und: Eigentlich hätten wir einen Konsolidierungsbedarf von 15 Milliarden.
Mittlerweile ist die Katze aus dem Sack: 2,5 Milliarden Euro wollen ÖVP, SPÖ und Neos sparen. Zusätzlich sollen 2,6 Milliarden für „Offensivmaßnahmen“ aufgetrieben werden, darunter die Senkung der Lohnnebenkosten. Das freut zu Recht viele – und schmerzt so ziemlich alle. Die Pensionisten sehen sich als „Bankomaten der Nation“, die Familienverbände warnen vor dem Antasten des Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), die Grünen sehen „in Zahlen gegossene Ungerechtigkeit“ und die FPÖ bläst zum Pensionistenvolksbegehren.
Was macht Gerhard Steger? Er zitiert Karl Kraus. „Das Jüngste Gericht wird die Österreicher bei der Jause erwischen.“ Und er hat wohl recht damit.
Diesen Text lesen Sie in der Print-Ausgabe der FURCHE unter dem Titel „Budget der Schmerzen“.
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