Downgrading als Herausforderung

Die am 13. Jänner von der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) durchgeführten Abstufungen der Länderratings von neun Euroraum-Staaten, unter denen sich neben Frankreich, Spanien und Italien auch Österreich befindet, sind als deutliche Warnung gegenüber dem gesamten Euroraum zu verstehen. Die Auswirkungen dieser Schritte sollten allerdings nicht überschätzt werden, da diese zumindest teilweise aufgrund der bereits im Dezember angekündigten Neueinschätzung der Euroraumstaaten durch S&P schon von den Finanzmärkten vorweggenommen wurden; der Aufschlag österreichischer, zehnjähriger Anleihen gegenüber des deutschen Bunds erreichte damals bis zu 150 Basispunkte.

Die Ursachen der Neubewertung Österreichs sind neben der stockenden Umsetzung der Konsolidierungsmaßnahmen in den negativen wirtschaftlichen Entwicklungen der für Österreich wichtigen Handelspartner Ungarn und Italien zu finden. Die Abstufung ist aber vor allem im Zusammenhang mit der Einschätzung der gesamteuropäischen Finanzmarktstabilität zu sehen. S&P weist explizit darauf hin, dass die Ergebnisse des EU-Gipfels vom 9. Dezember 2011 für eine Finanzstabilisierung im Euroraum als unzureichend eingestuft werden.

Die Neubewertung durch S&P scheint sehr offensiv; sowohl Fitch als auch Moody’s bescheinigen Österreich nach wie vor Top-Bonität. Österreich ist eine der stärksten Volkswirtschaften des Euroraums und weist einen deutlichen Leistungsbilanzüberschuss sowie die niedrigste Arbeitslosenquote der EU auf. Dennoch ergibt sich für Österreich die Herausforderung, die Maßnahmen der Budgetkonsolidierung und der Sicherung der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells österreichischer Banken in Mittel- und Osteuropa fortzusetzen und zu intensivieren.

Der Autor ist Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank

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