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Wir profitieren vom Euro - trotz allem

Wenngleich der Euroraum derzeit sehr großen Herausforderungen gegenübersteht, zeigen die Fakten, dass sich der Euro in den wenigen Jahren seit seiner Einführung als Währung bewährt hat. Für Österreich eröffnet sich mit dem Euroraum und seinen rund 332 Millionen Einwohnern ein Wirtschaftsraum, der gut vierzigmal mehr Menschen als unser Land beheimatet, und dessen Wirtschaftsleistung mit 9400 Mrd EUR rund 31-mal größer ist als jene der heimischen Volkswirtschaft. 2011 gehörte Österreichs BIP pro Kopf mit 32.300 EUR zu den drei höchsten im Euroraum. Das BIP wuchs real in dem seit 1999 wechselkursstabilen Umfeld um durchschnittlich 2% pro Jahr und damit um 1⁄2% kräftiger als der Euroraum.

Die hohe Preisstabilität in Österreich (1999 bis 2011 jährliche Inflationsrate von 1,9%) und die dadurch günstige Wettbewerbsfähigkeit haben zu einer deutlich verbesserten außenwirtschaftlichen Position beigetragen. Die Exportquote erhöhte sich von 43% (1999) auf fast 60% (2011) des BIP. Weit über die Hälfte der Exporte geht in den Euroraum und sichert in Österreich rund eine halbe Million Arbeitsplätze. Die österreichische Leistungsbilanz weist seit 2002 jährlich einen Überschuss aus. Auch der Internationalisierungsgrad der österreichischen Wirtschaft hat sich dynamisch entwickelt. Die (aktiven) Direktinvestitionen von Österreichs Unternehmen haben sich zwischen 1999 und 2011 auf über 50% des BIP verfünffacht, die Investitionen von ausländischen Unternehmen in Österreich auf rund 40% fast vervierfacht.

Unbestritten stellt die Währungsunion noch kein perfektes Modell dar; die angemessene Reaktion darauf sind entschiedene Reformen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für einen stabilen Euro. Dies bedeutet unter anderem auch die Notwendigkeit einer zügigen Umsetzung des permanenten Rettungsschirms ESM.

Der Autor ist Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank

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