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Zinsen anheben gegen die Inflation

Nach April 2011 erhöhte der EZB-Rat am 7. Juli dieses Jahres den Leitzins um einen weiteren Viertel Prozentpunkt. Nach einer annähernd zweijährigen Phase historisch niedriger Zinsen beträgt der Zinssatz beim Hauptrefinanzierungsgeschäft nunmehr 1,5 Prozent. Diese Leitzinsanhebung - wenn auch mit Blick auf anhaltende Inflationsrisiken -ist vor allem darin begründet, dass der Aufschwung in Europa gesichert und selbsttragend ist, auch wenn es sehr starke Unterschiede zwischen den Ländern gäbe. Daher ist es nicht mehr erforderlich, auf dem extrem niedrigen Zinsniveau im Zuge der Krise zu verharren.

Seit Jahresbeginn hat sich die Verbraucherpreisinflation im Euroraum merklich beschleunigt. Sie betrug im Mai - und laut Schätzung von Eurostat auch im Juni - 2,7 Prozent. Die erhöhten Inflationsraten im Euroraum sind auf kräftige Preisanstiege bei Energie sowie anderen Rohstoffen zurückzuführen und werden auch in den kommenden Monaten anhalten.

Es ist nun wichtig, dass diese Preisanstiege nicht zu Zweitrundeneffekten in der Lohn- und Preissetzung führen. Rechtzeitiges Gegensteuern, um die Inflationserwartungen fest beim mittelfristigen Preisstabilitätsziel von knapp unter 2 Prozent zu verankern, ist daher notwendig. Dies vorausgesetzt, erwarten die aktuellen Prognosen für 2012 im Einklang mit dem Preisstabilitätsziel eine Rückführung der Inflation auf knapp unter 2 Prozent.

Die Konjunktur im Euroraum wird sich in den nächsten Monaten eher abschwächen. Nach einem durch Sonderfaktoren getriebenen überaus kräftigen Wachstum im ersten Quartal 2011 wird die Expansion mit geringerer Geschwindigkeit anhalten. Das im historischen Vergleich weiterhin sehr niedrige Zinsniveau im Euroraum wirkt dabei konjunkturstützend.

Der Autor ist Gouverneur der Österreichischen Nationalbank

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