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Staatsschulden- & Vertrauenskrise

Nach einer Erholung in den Jahren 2010 und 2011 erwartet die EZB in ihrer März-Prognose für den Euroraum heuer ein Wirtschaftswachstum von -0,5 Prozent bis +0,3 Prozent, also eine leichte Rezession. Die Wirtschaftsdynamik wird sich nach dem Einbruch zum Jahreswechsel im Verlauf dieses Jahres zwar wieder beschleunigen, das Wachstum bleibt mit +0,0 Prozent bis +2,2 Prozent aber auch noch im Jahr 2013 moderat. Die Inflation wird im Euroraum in den kommenden Monaten leicht zurückgehen, bleibt aufgrund steigender Energiepreise und diverser Steuererhöhungen zur Budgetkonsolidierung im Jahresdurchschnitt aber über zwei Prozent.

Die Entwicklung in den einzelnen Euroraumländern ist weiterhin sehr unterschiedlich. So erwartet die OeNB für die heimische Wirtschaft heuer moderates Wachstum und 2013 eine merkliche Konjunkturerholung. Das Wirtschaftswachstum Österreichs wird damit - wie in den letzten Jahren - weiter über jenem des Euroraums liegen.

Der gegenwärtige Wirtschaftseinbruch ist vor allem auf die Auswirkungen der Staatsschuldenkrisen in mehreren EU-Ländern zurückzuführen. Die Risikoprämien und Finanzierungskosten sind gestiegen, und in zahlreichen Ländern müssen die Budgets saniert werden. Vor allem aber bremste ein deutlicher Vertrauenseinbruch die Binnennachfrage. Das Vertrauen wurde besonders durch die Entwicklungen in Griechenland belastet, der vorgenommene Schuldenschnitt sollte die Märkte nunmehr beruhigen.

Um einer Kreditverknappung vorzubeugen, hat das Eurosystem den europäischen Banken im Zuge zweier Drei-Jahres-Tender langfristige Liquidität zur Verfügung gestellt. Damit trägt das Eurosystem neben der Gewährleistung der Preisstabilität auch wirksam zur Erhaltung der Finanzmarkt- und wirtschaftlichen Stabilität bei.

* Der Autor ist Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank

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