
Warum das US-amerikanische Imperium an Legitimität verliert
Sonderbare Kommentare sind das: Die EU habe nicht gut verhandelt. Man hätte mehr herausholen sollen. Widerstand leisten. Es ist ein gravierendes Missverständnis der Situation. Trump hat Europa den Dienst geleistet, ein stilles Verhältnis offensichtlich zu machen. Bisher waren die USA ein benevolenter Imperator, und die „befreundeten“ Staaten waren nicht gezwungen, ihr Vasallenverhältnis zur Hypermacht USA (technisch, militärisch, kommunikativ, ideologisch, kulturell) wahrzunehmen.
Das alte Tauschverhältnis: Die internationale Logik war zum Vorteil der USA gebaut, sodass die Amerikaner (gegen bloßes „Papier“: Dollars und Staatsanleihen) über ihre Verhältnisse leben konnten. Dafür gab es Schutzversprechen für die Peripherie des Imperiums, auch für Europa.
Das neue Tauschverhältnis ist anders: Trump will höhere Tributzahlungen für das imperiale Zentrum. Asymmetrische Zölle sind Kontributionen der Machtunterworfenen. (Sie werden auf Dauer auch dem Zentrum schaden, Produktivität senken, Inflation antreiben; aber das wird erst längerfristig deutlich werden.) Frühere Imperien haben ihre Schutzpflichten ernst genommen, während Trump alle internationalen Verpflichtungen ablehnt. Das ist jene Hybris, an der Imperien gescheitert sind.
Tribute gegen Schutz: Das hat Imperien legitimiert. Wenn dies nicht mehr geschieht, werden sich die Klienten abkoppeln (müssen) – was Europa nunmehr in Angriff nehmen wird. Wenn die Schutzpflicht nicht mehr ernst genommen wird, handelt es sich nicht mehr um imperiale Logik, sondern um Mafiotisierung: Geldzahlung erzwingen, weil man Schaden zufügen könnte. Der Wandel vom benevolenten zum egozentrischen Imperium wird dem Status Amerikas nicht guttun. Es verliert als Imperium seine Daseinsberechtigung.
Der Autor ist Professor für Soziologie an der Uni Graz.
Diesen Artikel lesen Sie unter dem Titel "Imperien und Tribute" in der Printausgabe der FURCHE vom 7. August 2025.

