Die Rückkehr des Imperialismus
DISKURS
FIRST
Amerikanist Volker Depkat: „Ohne Vietnam wäre Trump undenkbar gewesen“
Vor 50 Jahren – am 30. April 1975 – verließen die letzten amerikanischen Soldaten jenes Land, das die USA jahrzehntelang als Frontstaat gegen den Kommunismus betrachtet hatten. Mit dem Fall Saigons endete ein Krieg, der Millionen Menschen das Leben gekostet hatte – in Vietnam, Laos, Kambodscha und nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten. Daher gilt der Vietnamkrieg bis heute als tiefer Einschnitt in der politischen, gesellschaftlichen und moralischen Selbstwahrnehmung Amerikas. Im FURCHE-Interview erklärt der Amerikanist Volker Depkat wie aus dem globalen Kampf gegen den Kommunismus ein Krieg gegen das eigene Selbstbild werden konnte, weshalb sich die militärischen Niederlagen auf das Vertrauen in den Staat selbst auswirkten und inwiefern sich die Spätfolgen dieser historischen Zäsur noch im heutigen politischen Klima erkennen lassen.
DIE FURCHE: Herr Depkat, beginnen wir historisch: Wie kam es zum amerikanischen Engagement in Vietnam?
Volker Depkat: Der Ursprung liegt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Frankreich versuchte, seine Kolonialherrschaft in Indochina wieder zu etablieren, was auf Widerstand einer postkolonialen Befreiungsbewegung unter Ho Chi Minh stieß. Interessanterweise bezog sich Ho Chi Minh auf die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, wurde jedoch im Westen ausschließlich als Kommunist wahrgenommen. Diese Fehleinschätzung war entscheidend. Die USA unterstützten Frankreich finanziell, übernahmen nach dessen Niederlage 1954 aber selbst die Verantwortung für Südvietnam – primär aus Angst vor dem Kommunismus.
Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.
In Kürze startet hier der FURCHE-Navigator.
Steigen Sie ein in die Diskurse der Vergangenheit und entdecken Sie das Wesentliche für die Gegenwart. Zu jedem Artikel finden Sie weitere Beiträge, die den Blickwinkel inhaltlich erweitern und historisch vertiefen. Dafür digitalisieren wir die FURCHE zurück bis zum Gründungsjahr 1945 - wir beginnen mit dem gesamten Content der letzten 20 Jahre Entdecken Sie hier in Kürze Texte von FURCHE-Autorinnen und -Autoren wie Friedrich Heer, Thomas Bernhard, Hilde Spiel, Kardinal König, Hubert Feichtlbauer, Elfriede Jelinek oder Josef Hader!
















































































833.jpg)



















