In der Wiener Volksoper laufen seit kurzem über dem Bühnenportal parallel zur Aufführung deutsche Übertitel mit. Ein Gewinn, wie der Versuch mit Charles Gounods „Faust” in französischer Sprache zeigte. Das Publikum weiß nun, um „was es geht”.Asher Fisch am Pult demonstrierte, daß er das Volksopernorchester zu einem hervorragenden Klangkörper aufwertet, aber auch, daß er mit dem jungen Sängerensemble beachtliches Niveau erzielt: Den Namen des stimmgewaltigen, dämonischen Me-phistopheles - Egils Silins - wird man sich merken müssen; Simina Ivan ist eine zarte Marguerite mit
Er ist Wiens einziger Generalmusikdirektor und erhielt jetzt den Ehrenring der Stadt: Claudio Abbado gastierte mit seinen Berliner Philharmonikern bei den Wiener Festwochen im Musikverein — mit Gustav Mahlers „Neunter“, mit Beethovens 5. Klavierkonzert (Solist: der brillante junge Ew-genij Kissin) und Brahms’ „Zweiter“. Gespannt waren Publikum und Kritik auf Mahlers D-Dur-Symphonie: Doch da spürte man den Abstand zwischen Abbados Vorstellungen, der diese Musik aus ihrer Substanz, also aus thematischer Arbeit, deuten und für den Zuhörer „durchhörbar“ machen will, und den
Großes Finale beim Wiener „Klangbogen”, der mit fast 140 Veranstaltungen heuer unter die größten, repräsentativsten Festivals aufgerückt ist: Daniel Barenboim, Musikdirektorder Berliner Staatsoper und des Chicago Symphony Orchestra, führte im Musikverein mit den Wiener Philharmonikern Richard Strauss' „Don Quixote”-fulminante Solisten: Franz Bartholomey und Heinz Koll - und Tschaiko wskis f-Moll-Symphonie Nr. 4 auf: Barenboim, ein leidenschaftlicher Romantiker, forschte im Seelenleben der Meister. Eine Gratwanderung zwischen Depressionen, exaltierten Ausbrüchen und kühl
Sir Georg Solti, der neue Salzburger Osterfestspielchef, und Regisseur Götz Friedrich wagten sich an das „Größte" und „Gewaltigste" im Schaffen der Operndioskuren Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Ihre „Frau ohne Schatten" hatte im Salzburger Großen Festspielhaus Premiere: Mit viereinhalb Stunden Dauer ein gewaltiger Abend, der dank einem luxuriösen Sängerensemble, der Weltelite der Strauss-Interpreten und der feinfühligen Betreuung durch Solti zum bejubelten Musikereignis wurde. Spitzensänger wie Cheryl Studer (Kaiserin), Thomas Moser (Kaiser), Marjana
Komponistin Olga Neuwirth liebt „Schräges", „Obskures", dementsprechend ließ sie sich für die beiden Kurzopern „Körperliche Veränderungen" und „Der Wald" von Texten Elfriede Jelineks faszinieren. Eine Koproduktion der Wiener Festwochen mit dem Staatstheater Stuttgart zeigt nun das Ergebnis: Mini-Opern aus Klischeebildem, Erinnerungen, Zitaten - Neues von gestern!„Körperliche Veränderungen" ist eine „satirische Handtelleroper", „Der Wald" ein „tönendes Fast-foodge-richt"! Wenn man sich darunter nichts vorstellen kann, macht das gar
Eine Neueinstudierung der „Salome" von Richard Strauss war angekündigt, staubige Opemklamotte bescherte diese Staatsopern-Aufführung: Boleslaw Barlogs Arrangement undJürgen Roses Jugendstilausstellung, einst viel gepriesen, sind in die Jahre gekommen, von Erneuerung war kaum etwas zu merken. „Salome" unsinnlich, unsensationell, spannungsarm.Marek Janowski, sonst ein verläßlicher, kultivierter Wagner- und Strauss-Dirigent, holte immer wieder zu dramatischen Aufschwüngen und dröhnenden Entladungen aus. Aber in Herodes' Palast folgte man ihm nur zaghaft.Eva Marton kämpfte um
(Salzburger Osterfestspiele, Gro- ßes Festspielhaus; „Fidelio" von Ludwig van Beethoven) Karajans 17 Jahre alte, lang eingemottete Inszenierung sollte das Ereignis des ersten Festivals „nach Karajan" werden. Ergebnis: ein provinzielles Trauerspiel, modisch aufgeputzt im Stasi-Look. Von „namenloser Freu- de", von der Leonore und der be- freite Florestan jubeln, war wenig zu entdecken; zur Pause gab's, nach beinahe geschmissener Leonoren- Arie, kaum Applaus.Peter Brenner, der Regisseur, und Dirigent Kurt Masur wollten's bes- ser wissen als alle vor ihnen, von Gustav Mahler
(Staatsoper, „Die Hochzeit des Figaro“ von W. A. Mozart) Wenn man früher von Mozart-Pflege sprach, dachte man an ein spezifisches österreichisch-deutsches Sängerensemble, das sich in Wien im wahrsten Sinne gefunden hatte. Besucht man heute die Wiederaufnahme des „Figaro“ in Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung, so staunt man, daß es bestenfalls für die kleineren Partien deutschsprachige Sänger gibt. Die Hauptpartien sind fast ausnahmslos mit Engländern und Amerikanern besetzt.Dagegen ist nun bei der Qualität von Sängern wie der wunderbaren, lyrischen Margaret Price als Gräfin,
(Staatsoper Wien; „Moses und Arön" von Arnold Schönberg) Die genau studierte Wiederaufnahme von Schönbergs „Moses" in der packenden Inszenierung von Götz Friedrich ist großes Welttheater um die Revolte der Israeliten gegen den ägyptischen Pharao und den Auszug aus Ägypten. Kein bißchen altmodisch oder abgenützt wirkt diese philosophische Opernarbeit Friedrichs: Der Kampf Mose und Arons um das Bild Gottes, ein Kampf zwischen Idee und Sprache, hat szenisch-optische Brisanz bewahrt.Starke Faszination geht dabei vom spartanischen Bühnenbild Rudolf Heinrichs aus, einem riesigen
(Wiener Konzerthaus, 10. Symphonie von Gustav Mahler) Mit dreizehn Jahren Verspätung konnten Wiens Musikfreunde jetzt die Erstaufführung von Gustav Mahlers 10. Symphonie hören, von der man bisher nur das schwelgerische Adagio und — von einer einzigen Aufführung — den Satz „Purgatorio" kannte. Der englische Romantikforscher De-ryck Cooke nahm sich zwischen 1964 und 1976 der Skizzen, 72 Seiten eines Partiturentwurfs und 92 Seiten eines Particells, an. Das Ergebnis, das nun von Rudolf Barschai und dem ORF-Symphonieorchester im Wiener Konzerthaus in einer ziemlich verkrampften
Mag Österreichs politisches Image im Ausland auch angeschlagen sein, in kulturellen Fragen mischen wir dennoch mit. Auch in Paris. So wird 1989, anläßlich der Feiern ,200 Jahre Französische Revolution“ und ,200 Jahre Er-klärung der Menschenrechte“ im Park des Schlosses Versailles ein internationales Opernfest gefeiert. Fawzi Mitwali, österreichisch-ägyptischer Erdöl- und Reisemanager, der 1987 mit Verdis >yAida“ in Luxor für internationalen Rummel gesorgt hat, finanziert nun — ohne jede Staatssubvention — Produktionen der Revolutionsoper ,JLndrea Che-nier“ von Umberto
(Mailänder Scala; „Aida“ von Giuseppe Verdi) Seit mehr als einem Dezennium eröffnete die Mailänder Scala erstmals ihre Saison mit „Aida“, einer Gala, die bei Eintrittspreisen bis zu 7000 Schilling vor allem ein Riesenspektakel bieten wollte. Dirigent Lorin Maazel wählte dafür — wie in Wien — die gefühlvolle MariaChiara für die Titelpartie und Luciano Pavarotti als strahlenden Radames. Sonst war die Aufführung mit Gena Dimitrova, Nicolai Giaurov und Juan Pons weit weniger überzeugend besetzt.Diese Inszenierung ist vor allem ein Schau-Ereignis — wenn auch eines von höchst
(Salzburger Festspiele; „Un Re in ascolto" von Luciano Berio) Prospero, der alte Theaterprinzipal, einst König der Szene und Magier der Theaterwelt, horcht... an den Wänden, in den Räumen, ins All. Hat er versagt, entgleitet ihm sein Welttheater? Noch hat er seine Vision eines neuen Theaters. Aber als er sich aus seinem Studio hinauswagt, in die Proben zu Shakespeares „Sturm" eingreift und sich Auseinandersetzungen stellt, versagt seine Kraft. Im Herzinfarkt träumt er sich hinüber ...Luciano Berio, der italienische Komponist von Weltruf, komponierte im Auftrag der Salzburger
(Staatsoper Wien, „Pique Dame" von P. I. Tschaikowski) Wiens neuer Staatsopernchef Lorin Maazel hat offenbar eine Pechsträhne: Nach dem „Tann-häuser"-Debakel endete auch die zweite Premiere seines ersten Direktionsjahres in Gelächter, flauem Applaus und in einem Buhorkan. Der Schrecken packte die meisten Premierenbesucher bei dieser Inszenierung Kurt Horres*. Verpackte dieser doch Tschai-kowskis Liebes- und Spielerdrama in eine sozialkritisch-bizarre Leichenhausschau, die er mit dem Holzhammer vorexerziert.Friedhofsatmosphäre und Gräber überall. Sogar im schwarzgrauen
(Kammeroper, Wien „Sommernachtsfest in Madrid" von Tomas Breton). Die Ausgrabung hat sich gelohnt: Die 1894 urauf-geführte Zarzuela von Breton ist ein mitreißendes kleines Stück, pralles Alltagsleben vor dem Hintergrund der rauschenden „Verbena", des Sommernachts-fests zu Ehren der Jungfrau von der Taube.Wie sich das für die echte Zarzuela gehört, ist die hübsche Musik randvoll mit folkloristischen Nummern: eine merkwürdige Mischung aus Opera buffa, Offenbach, Wiener Operette, musikalischer Komödie. Originell die Figuren: der kauzige alte Apotheker auf Flirtausflug, das
(Arena von Verona, Verdis Rigoletto) Internationale Opernstars sollten nach dem Wunsch des Intendanten der Opernfestspiele von Verona zu Giuseppe Verdis 80. Todestag in der Arena Debüt feiern. Also wurden die vielgepriesene Sopranistin Ileana Cotrubas als Gilda und der Großalmosenier der New Yorker Met, Sherrill Milnes, als Rigoletto verpflichtet.Das gutgemeinte Experiment endete als Fiasko. So unitalienisch ist es auf Veronas Riesenbühne wohl seit Jahren nicht mehr zugegangen. Denn weder die Cotrubas noch Milnes bewältigten stimmlich und in der Darstellung die Dimension der Arena.Diese
(Theater an der Wien: „Netzwerk“) Das war die mit der meisten Spannung erwartete Uraufführung der Wiener Festwochen: Friedrich Cerhas „Netzwerk“, eine Auftragsarbeit des Kulturamts der Stadt Wien, wurde von Cerha selbst, seinem mit der schwierigen Partitur wohlvertrauten Ensemble „die reihe“, der Balletttruppe Györ, Regisseur Giorgio Pressburger und Bühnenbildner Claudio Palcic an der Wien vorgestellt. Cerhas 1962 bis 1967 entstandene „Exercises“ dienten als Werkvorlage, die überarbeitet und auf 44 Teilstücke erweitert wurden.„Welttheater“ nennt der Komponist das
Karajans Privatjestival. die Salzburger Osterfestspiele, sind wieder vorbei. Sie sind heuer endlich aus der leidigen Phase der Wiederholungen herausgekommen. Nach den Reprisenjahren, die dem Publikum den eineinhalb Jahrzehnte alten ,,Troubadour”, den häßlichen „Fi-delio” und den auch nicht mehr ganz laufrischen „Don Carlos” bescherten, kehrte Karajan zu seinem Konzept zurück, Wagners Werke in -zumindest musikalisch - exemplarischen A ufführungen zu zeigen.1967 startete er mit der „ Walküre” und machte das Salzburger Osterfest zum sensationellsten Festival, zum exklusivsten
Nach Jahren „tierischen Kulturernstes" setzen Wiens neue Festwochenmacher auf „Heiterkeit": „Das wird zwar nicht Verharmlosung bedeuten. Und wir wollen auch nicht die Leut' vier Wochen lang zum Lachen kitzeln", beteuerten Wiens Kulturstadtrat Helmut Zilk und Stadtrat Jörg Mauthe. „Aber Humor und Heiterkeit können den Festwochen eine' besondere Note geben." Warum eigentlich nicht? Ich höre schon manche, ätzende Kommentare über dieses bevorstehende Wiener „Festival der Heiterkeit" abgeben. Aber Wien hat soviel Tradition in Sachen Humor, vom derben Spaß,
Aufregung im Bundestheaterverband. Bundestheaterchef Jungbluth war über die Indiskretion empört, daß eine Tageszeitung Gagendetails des designierten Staatsopernchefs Lorin Maazel veröffentlicht hatte: 5,4 Millionen Schilling soll Maazel da als Operndirektor ab 1982 jährlich kassieren. 150.000 Schilling pro Monat seiner Anwesenheit und 150.000 Schilling als Abendgage. Da Maazel sechs Monate jährlich die Operngeschäfte selbst führen und 30 Abende dirigieren will, macht das 5,4 Millionen.Aber da verstehe ich eigentlich nicht recht die Aufregung. Denn Karajan, Bernstein und Böhm bekommen