Mady Morrison macht einen guten Job. Die drahtige Yoga-Lehrerin ist gut gedehnt; im stilvoll arrangierten Ambiente zeigt sie Körperposen mit kühnen Verrenkungen. Damit erreicht sie ein riesiges Publikum. Auf Youtube hat die 31-jährige Deutsche 1,87 Millionen Abonnenten. Im Internetzeitalter ist Yoga zum globalen Kulturgut geworden. Auch der von der UNO deklarierte „Internationale Yoga-Tag“ markiert den globalisierten Status dieser uralten Praktiken.

Die weltweite Verbreitung des Yoga hat bereits im 19. Jahrhundert begonnen. Seither hat sich die aus Indien stammende Tradition an immer neue Gegebenheiten angepasst. Und sie wird heute durch eine Vielzahl kultureller Linsen wahrgenommen (Religion, Spiritualität, Psychologie, Sport, Gesundheit, Biomedizin etcetera). Yoga wirkt nun oft wie eine sanfte Fitnessshow; als Accessoire eines Lebensstils, hinter dem das Credo individualistischer Selbstoptimierung zu erkennen ist. Das attraktive Äußere scheint wichtiger zu sein als tiefgründige Innenschau. Mit den spirituellen Wurzeln dieser Praktiken hat das nur noch wenig zu tun. Man mag da­rin eine weitere spannende Entwicklung in den unzähligen Metamorphosen des Yoga erkennen, oder eine dem Zeitgeist entsprechende Verarmung des Geistes.

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