Zur Eröffnung der heurigen "Buch Wien" hat Terézia Mora gesprochen. Ehrlich gesagt bin ich nur ihretwegen hingegangen, denn Eröffnungsreden von Messen, zumal von Buchmessen, sind allgemein zu recht gefürchtet. Tatsächlich war es eine wunderbare Rede "Über Sätze und Menschen", fernab des üblichen druckerschwarzen Jammer- und Beschwörungsrituals, eine Rede, in der nicht zuletzt die Politik auf ihren Platz verwiesen wurde: "Das Gute an einem Kunstwerk ist gerade, dass es keine Wahlversprechen gibt oder sonstige tagesaktuelle Garantien verspricht. Das Einzige, was Lesen verspricht, ist: deine Kenntnis über Sätze zu erweitern. Schau dir nur die Sätze an."

An dem gelungenen Abend, den der Präsident der Buchhändler und Verleger mit einem kämpferischen Statement für die Freiheit des Wortes eröffnet hatte, war nur etwas auffällig: Es fehlte jede offizielle Begrüßung, weder der Bürgermeister der Stadt Wien noch deren Kulturstadtrat noch der Kulturminister gaben dem bedeutendsten Ereignis der österreichischen Buchbranche die Ehre. Nicht dass ich mir diesbezüglich substantielle Erkenntnisse erwartet hätte, aber woran sonst sollte man die Wertschätzung der Regierenden gegenüber den Künsten erkennen als an ihrer Präsenz bei derartigen Anlässen? Thomas Drozda scheint überhaupt des öfteren Wichtigeres zu tun zu haben. Bei einer von den heimischen Literaturhäusern veranstalteten großen Enquete entzog er sich der Diskussion. Bei der Frankfurter Buchmesse erschien er zur Eröffnung des Gemeinschaftsstandes, glänzte aber beim eigentlichen rot-weiß-roten Programm einmal mehr durch Abwesenheit. - Wie sagte Terézia Mora über ihren langen Weg durch einen Roman bis ans Ziel: "Irgendjemand wird dort sein." Der österreichische Minister für "Kunst und Kultur, Verfassung und Medien" wahrscheinlich nicht. Aber wie tröstlich: "Tiefer als in die Literatur kannst du nicht fallen."

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin

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