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Am Ende mit dem Latein

"Aber interessant." So lautet ein Lieblingssatz des Wolf Haas'schen Krimi-Erzählers. Er scheint - auch mit seiner Vorliebe für das Adverb "quasi" - die Gestalter der steirischen Landesausstellung gründlich beeinflusst zu haben: Mit dem Slogan "Interessantus est" werben sie für "Die Römer 2004". Gegenüber denen, die da "den Rotstift zücken", pochen sie darauf, sich ein "Maximum an dichterischer Freiheit" herausgenommen zu haben. "Slowenien romanus est", "das Museum maximus des Landes", "Leibnitz bene preparatus est", "korrektus ist beides". Das ist die Freiheit, die sie meinen.

Eine liebevoll gemachte Ausstellung mit einigen Leerstellen, aber durchaus pädagogischem Anspruch leistet sich den Luxus pseudolustiger Verjuxung. Die Allotria-Sprache der Broschüren ist die Rache der Werbetexter an ihren Lateinprofessoren. Vor dem Englischen haben sie zuviel Respekt. Vor dem Deutschen vermutlich auch: Wir leben immerhin in einem Land, in dem der Kanzler verkünden kann, "Österreich" würde bei den Errungenschaften der Rechtschreibreform bleiben, weil er weiß, dass sich sämtliche Zeitungen des Landes in freiwilliger Gehorsamslust der amtlichen Sprachregelung unterwerfen.

Den alten Sprachen aber fehlt heute jede Schutzmacht. Die Volksschullehrerin an der Spitze des Bildungsressorts hat für sie kein Interesse. "Bildung" ist gegenwärtig ganz ungeschminkt das, was "die Wirtschaft" als für das Arbeitskräfteangebot wünschenswert erachtet. Und die ist mit ihrem Latein am Ende, wenn die Geschäfte "extra longus" geöffnet haben und die Raiffeisenbank den Ausstellungsbesuchern im Minutentakt ihr "Sponsor est" ins Ohr bläst.

"Die Römer 2004" und die Steirer 2004 - eine schwierige Beziehung. Die Landeshauptmann Klasnic kann (im Katalog) nicht einmal "bukolisch" richtig schreiben.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin in Wien.

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