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Feindliche Übernahme

Dem letzten Bachmann-Wettbewerb haben die 3Sat-Gewaltigen, nach dem Motto "Kürzer, schneller, schlanker!", ein Facelifting verpasst. Einer hat darunter besonders grausam gelitten: der neue Moderator Dieter Moor. "Der Bachmann-Preis war die Hölle", verriet er nun der Tiroler Tageszeitung. In Klagenfurt hätten sich nämlich "gewisse Pfründe eingeschlichen". Dabei müsste man sich dringend entscheiden, ob das eine Veranstaltung sein soll, an der sich "irgendwelche Kritiker und Insider delektieren", oder "eine Fernsehsendung", die daraus zu machen eine "sehr arrogante Lobby" verhindert habe.

Ach, Herr Moor! Sie waren doch mit den "Kunststücken" der Lichtblick meiner ORF-Jugend! Und jetzt machen Sie für ATV Spitalsbesuche, "nicht voyeuristisch" natürlich. "Das Leben geht weiter", verspricht der Privatkanal, na ja, nicht immer - und wenn, ist das unter diesen Umständen ein Trost? In einem muss das Jurymitglied dem gescheiterten Löwenbändiger recht geben: Dass der Bewerb diesmal heillos schwankte zwischen Quote und Kunst, war "sehr unbefriedigend". Was wollte man eigentlich: kosmetische Eingriffe, radikale Schnitte, ein neues Schönheitsideal? Als der Preis 1977 gegründet wurde, im Namen der Heiligen Ingeborg, und in der Jury Manès Sperber, Friedrich Torberg und Hans Weigel saßen, war das Fernsehen als Zaungast noch nicht zugelassen. Mittlerweile droht eine feindliche Übernahme. Wirklich notwendig hat ein Literaturpreis das Medium nicht, wenngleich die Pfründe der Literaten deutlich magerer zu sein pflegen als die von TV-Moderatoren.

Der Versuch, dem Bachmannpreis qua Quote die Literatur auszutreiben, ist aber jedenfalls der Anfang vom Ende. So steht zu hoffen, dass weiterhin eine "arrogante Lobby" für die Eigenmacht der Literatur eintritt. Weil Moor recht hat: "Fernsehen ist letztlich eine Zeitvernichtungsmaschine."

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