Unlängst habe ich ein altes Lied von Rainhard Fendrich wiedergehört: Es lebe der Sport setzt sich mit den Facetten circensischen Sport-Konsums auseinander und enthält unvergessliche Verse wie "mit einem Doppler sitzt man da / und woat auf einen gscheiten Busara" oder "wenn er es überleben tut, / dann wird er nachher interviewt". Anderes von Fendrich ist mir eingefallen: Strada del Sole, Razzia, Schickeria oder Macho Macho - "Julio Iglesias" gereimt auf "gib Ruh, jetzt les ich was".

Wie ist es nun möglich, dass ein Autor von Nestroy'schem Sprach-und Mutterwitz auf seinen älteren Tage - da man füglich ein Mehr an Weisheit vermutet - dümmlich sentimentale Schlagertexte produziert? Wirkt das Klima von Mallorca allzu mildernd auf den kreativen Prozess? Oder hat der Entzug von Kokain als Zündstoff der Inspiration womöglich fatale Folgen für das künstlerische Ergebnis? Wenn das stimmt, dann wäre ich aus kulturpatriotischen Gründen dafür, Liedermachern vom Schlage eines Fendrich eine Sonderkonzession zum gezielten Suchtgiftgebrauch zu erteilen, auf dass uns Verse wie "Wer hält noch fest an Idealen? / Wer pflanzt noch einen Apfelbaum?" (Der tote Dichter) erspart bleiben.

Die kulturell legitimierte Droge der Dichter ist natürlich der Alkohol, gerade hierzulande: von Josef Weinheber, der seinem Namen alle Ehre machte, bis Norbert C. Kaser und Werner Schwab, ein einziges "I am from Austria" als Heurigenlied. Das ist, am Aschermittwoch muss man das sagen, immer schlecht ausgegangen. Und: auch nüchterne Menschen schreiben gute Poesie.

Berauscht sein kann man indes auch ohne Chemie: So wie der Staatsoperndirektor, der wenig manierlich den Ball im eigenen Haus schlechtzumachen pflegt und als Kutscher an der Seite Anna Netrebkos auf den einzigen Satz vergaß, den er hätte singen sollen.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin.

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