Schienenersatzverkehr in Schilda

Seit Christian Kern mit dem Austragen von Pizza beschäftigt ist und nicht mehr mit der Leitung der ÖBB, geht es mit diesen bergab. Ein Fallbeispiel: Ein Schienenersatzverkehr wird per definitionem eingerichtet, um nötigenfalls den Verkehr auf der Schiene zu ersetzen, und zwar durch einen auf der Straße. Im Mürztal wurde nun ein "Schienenersatzverkehr" installiert, der eine Marktgemeinde - Langenwang - für zwei Monate schlicht nicht bedient. Und zwar weil der Bahnhof Langenwang umgebaut wird. Der Umbau eines Bahnhofes ist gewiss ein hinreichender Grund, weshalb Züge dort nicht mehr halten können, für die Streichung des "Schienenersatzverkehrs" mit Bussen jedoch nicht. Tatsächlich befindet sich neben dem Bahnhof auch eine "Ersatzhaltestelle", die dafür mehr als genug Platz böte, dort verkehrt allerdings nur ein Minipendelbus zwischen Krieglach und Langenwang. Der "normale" Ersatzverkehrsbus, der bei früheren Bahn-Baustellen zweckmäßigerweise das Ortszentrum angefahren hat, fährt nun vom Bahnhof Mürzzuschlag zur Empörung der Fahrgäste direkt nach Krieglach, vorbei an den Stationen Hönigsberg und Langenwang, perfiderweise ohne Vorankündigung. Von Krieglach muss man die Strecke mit dem Pendelbus zurückfahren, ohne Information, ohne Fahrplan. Ich habe unlängst für die 7 km zwischen Mürzzuschlag und Langenwang eine Stunde und zwanzig Minuten gebraucht. Fragt man bei der Pressestelle nach, wie es möglich ist, dass eine Bahnstation im Schienenersatzverkehr nicht angefahren wird, erhält man nach zehn Tagen zur Antwort, dass die Station im Schienenersatzverkehr nicht angefahren wird. Die Bürgermeister wissen von nichts - blöd werden sie sein und mit der Bahn fahren. Immerhin menschlich die Reaktion eines Mitarbeiters beim ÖBB-Kundenservice nach Schilderung der Lage: "Das ist echt deppert!"

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin

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