Triumph der Gelassenheit

Man mag zum Spruch des Schiedsgerichts über das Schicksal der fünf Klimt-Gemälde stehen, wie man will: Da die Republik auf die Möglichkeit einer Anfechtung verzichtet hat, ist er das letzte Wort in der Causa Bloch-Bauer. Als die Regierung das Risiko eines solchen Verfahrens auf sich nahm, war ihr sehr wohl bewusst, dass es mit dem Verlust aller Bilder enden könnte.

Hat sie irgendwelche Dispositionen für diesen Fall getroffen? Nein - als es so weit war, traten Kanzler und Kulturministerin mit hilfeheischender Arme-Schlucker-Miene vor die Presse, erklärten sich namens der Republik budgetmäßig außerstande zum Kauf auch nur eines der Bilder und versprachen privaten Sponsoren, die für sie einspringen würden, großmütig Steuererleichterungen.

Ob Bilder, die zu den bedeutendsten Werken der österreichischen Kunstgeschichte gehören und zugleich Dokumente eines jüdisch-großbürgerlichen Mäzenatentums sind, weiterhin (gemäß dem letzten Willen der porträtierten Adele) in einem heimischen Museum zu sehen sein werden, ist unserer Regierung herzlich egal. Man kann dieses Verhalten der Vertreter eines der reichsten Länder der Erde, das sich weiß Gott was auf seinen kulturellen Glanz zugute hält, nur skandalös nennen - was übrigens kaum einer getan hat.

Beneidenswert, wer wie der Kanzler frei von jeder emotionalen Beziehung zum nationalen Kulturerbe ist: Stichwort Gelassenheit. Man könne ja, heißt es, die Klimt-Bilder ebensogut in ausländischen Museen besichtigen. Auch eine Form von Outsourcing.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin.

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