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Dann bin i ka Liliputaner mehr

Das Dilemma mit unserer österreichischen Identität hat die Diskussion zur Umbenennung des Heldenplatzes wieder vorgeführt: Wir sind Liliputaner, die sich nach Größe sehnen, haben aber zugleich Angst davor, aus unseren vermeintlichen Zufluchtsstätten der Geborgenheit hervorzutreten. Wir zögern, zu uns und unserer Vergangenheit zu stehen. "Da tritt der Österreicher hin vor jeden, denkt sich sein Teil, und lässt die andern reden!", heißt es im sogenannten "Loblied auf Österreich" bei Grillparzer. Nur keine klaren Worte, immer inwendig räsonieren. An reformbedürftigen Zuständen leiden und sich vor Änderungen fürchten. "Oh du mein Österreich!", schrieb Hans Weigel im Jahr des Staatsvertrages, "klingt nicht wie eine Fanfare, sondern wie ein Stoßseufzer"."Flucht vor der Größe" war auch sein Thema.

Besonderes Unbehagen bereiten uns heute große Plätze. Die Stadtverwaltung hat sich auf Verkleinerung durch Marktstandeln und Verhüttelungen spezialisiert. Und große Persönlichkeiten? Für Helden hat man in der Staatsoper eigene Methoden der Verdrängung erfunden. Lohengrin verkleinert man durch Trachtenlook, Tannhäuser und Parsifal steckt man gleich in die Psychiatrie. Und die richtigen Helden? Die Reiterstandbilder am "Heldenplatz", die zum Ruhm des Heeres beitragen sollten, wurden ohnehin durch die Niederlagen von Solferino und Königgrätz ad absurdum geführt. Unsere Politiker, deren Größe sich meist am Insektenbereich orientiert, könnten freilich vom Heldentum profitieren. Vielleicht planen sie ohnehin, Erzherzog Karl und Prinz Eugen auf ihren Pferden durch den jeweils regierenden Kanzler und Vizekanzler zu ersetzen. Die beiden könnten auch in Zukunft eine Brise Ruhm dringend gebrauchen. Dann ginge André Hellers Traum, kein Liliputaner mehr zu sein, wenigstens für sie in Erfüllung und der Name Heldenplatz wäre nicht mehr umstritten.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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