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Der ganze Müll einer Familiengeschichte

"Sieben Mulden und eine Leiche" ist kein Krimi, sondern eine rabenschwarze Doku-Komödie. Mit viel Galgenhumor verarbeitet Thomas Haemmerli den Tod seiner Mutter.

Thomas Haemmerli erfährt an seinem 40. Geburtstag, dass seine Mutter gestorben ist. Als er daraufhin - nach vielen Jahren - das Haus seiner Mutter betritt, folgt der nächste Schock: Grauenhafter Leichengeruch liegt in der Luft und die Wohnung ist bis obenhin mit allerlei Ramsch angefüllt. Die Mutter, die niemanden jemals in ihre vier Wände ließ, war offenbar ein Messie, jemand der krankhaft Dinge sammelte und aufbewahrte.

Haemmerli zückt intutiv seine Kamera - die er als richtiger Medienmann immer dabei hat - und beginnt zu filmen. Die Möglichkeit, sich hinter einer Linse zu verstecken, hilft dem Schweizer Distanz zu gewinnen. Erst später kommt ihm die Idee, daraus einen Dokumentarfilm zu machen. Entstanden ist so "Sieben Mulden und eine Leiche", ein Film, der zeigt, dass die Wirklichkeit grotesker zu sein vermag als jede Fiktion. Mit seinem Bruder kämpft Haemmerli wochenlang gegen das Chaos und füllt so Mulde um Mulde.

Zerbrochenes Familienidyll

Doch während die Wohnung stets sauberer wird, tauchen immer mehr schmutzige Details aus dem Familienleben auf. Wie etwa die Scheidungsakten, Protokolle eines gehässigen Ehekrieges, in denen der Vater sich etwa über die Geschlechtskrankheiten der Mutter beschwert. Da hilft nur Galgenhumor - und den behalten die Brüder bis zum Ende: Als sich die Urne nicht öffnen lässt, wird sie kurzerhand an der Außenwand des Boots zertrümmert. Das ist alles pietätlos, ja abstrus. Wie das echte Leben eben.

Sieben Mulden und eine Leiche

CH 2007. Regie: Thomas Haemmerli

Mit Thomas, Erik und Brunhilde Haemmerli. Verleih: Filmladen. 84 Min.

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