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Die große Armin-Wolf-Show

Nein, man kann Armin Wolf nun wirklich nicht vorwerfen, dass er Eva Glawischnig mit Samthandschuhen angefasst und demgegenüber Heinz-Christian Strache "zerlegt“ habe. Vielmehr dürfte Wolf mit dem Vorsatz in die diesjährigen ORF-Sommergespräche gegangen sein, auch nur den leisesten Eindruck von Parteilichkeit zu vermeiden. Dass er den FPÖ-Chef in die Zange nehmen würde, durfte man ja erwarten. Aber dass Eva Glawischnig so wenig Luft bekommen, kaum je Tritt fassen würde, war vielleicht doch für manche überraschend.

Man kann darin einen Erweis der Objektivität des Moderators erkennen. Man kann es freilich auch - in beiden Fällen - kritisch sehen, dass der jeweilige Gesprächspartner kaum dazu kam, größere Bögen zu spannen. Vielleicht liegt das daran, dass der zweite (oder eigentliche) Vorsatz von Armin Wolf war, primär sich selbst als Interviewer zu inszenieren. Keine Frage, der Mann ist hervorragend vorbereitet, extrem straight, souverän, schlagfertig. Aber man kann das alles auch übertreiben - sodass dann nicht mehr die Sache, sondern die Dramaturgie im Vordergrund steht.

Das wird durch die Themensetzung noch zusätzlich verstärkt bzw. bestätigt diese den Verdacht, Wolf sei es in erster Linie um seine Stilisierung zum Starinterviewer zu tun: Im Vergleich zu den wirklich essenziellen sozial-, wirtschafts-, europa- und demokratiepolitischen Fragen nahmen "Symbolthemen“ einen viel zu großen Raum ein: da etwa die 160-km/h-Fahrt der Frau Glawischnig, dort beispielsweise die Karikatur auf der Facebook-Seite des Herrn Strache. Ja, eh - aber bitte richtig gewichten! (mit)

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