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Feuilleton

Die Revolution ist weiblich

1945 1960 1980 2000 2020

Catherine Corsini hat mit "La belle saison" einen Film über lesbische Liebe und die Frauenrechte gedreht.

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Catherine Corsini hat mit "La belle saison" einen Film über lesbische Liebe und die Frauenrechte gedreht.

Es ist eine ungestüme, leidenschaftliche Liebe, in die sich die 23-jährige Delphine (Izïa Higelin) in "La belle saison -Eine Sommerliebe" von Catherine Corsini fallen lässt. Nachdem sie den Bauernhof ihrer Eltern verlassen hat und nach Paris gezogen ist, lässt sie nicht nur die ländliche Idylle, sondern auch die Engstirnigkeit und das konservative Leben hinter sich. Im Paris der 1970er Jahre kann sie ihre neu entdeckten Leidenschaft für die quirlige Carole (Cécile de France) voll ausleben. Doch als sie aufs Land zurückkehrt und ihr Carole folgt, muss sie sich bald zwischen Landleben und Liebe entscheiden. Eine lau-leichte, sommerliche Liebesgeschichte, die zugleich das Anliegen hat, feministische Positionen zu vertreten, mit sicherer Hand einfühlsam inszeniert von Corsini, die nicht das erste Mal über eine lesbische Liebe erzählt: so etwa auch in "Replay" mit Emmanuelle Béart. Das Thema liegt ihr, sie kann Leidenschaft aus den Augen ihrer Darstellerinnen kitzeln, wo andere sich längst auf deren schiere Körperlichkeit gestürzt hätten. Zugleich gelingt Corsini der Drahtseilakt, das Liebesglück vor dem Hintergrund politischer Umbruchzeiten kitschfrei einzufangen.

Denkmal für die Feministinnen

"Mir ging es darum, das Gefühl der damaligen Feministinnen einzufangen, denn diese Frauen wurden zu dieser Zeit sehr schnell als sexuell frustrierte Emanzen beschimpft. Ihnen wollte ich ein Denkmal setzen, da ich selbst über viele Jahre keine allzu engagierte Feministin war, aber irgendwann begriff, dass ein Großteil der Errungenschaften, die für mein heutiges Leben ganz selbstverständlich sind, genau diesen Frauen zu verdanken sind, die sich damals engagiert und wirklich gekämpft haben", sagt Corsini im Gespräch mit der FURCHE. Hinter dem Zusammenprall von Politischem und Privatem sieht die Regisseurin einen bewusst inszenierten Widerspruch: "Ich wollte, dass sich politisches Engagement der Frauen und ihre private Beziehung aneinander reiben."

Das wird besonders in der zweiten Hälfte des Films deutlich: Da nämlich ist das Liebespaar Delphine und Carole mit der Beschwernis des Alltags im Leben eines Landwirts konfrontiert. "Die beiden bekommen Zweifel an ihrer Entscheidung, aber dennoch geben sie einander nie auf und behalten sich das Ideal ihrer kämpferischen Utopie", sagt Corsini. Dass "La belle saison" auch viel nackte Haut zeigt, ist für Corsini-Kenner keine Überraschung. Sie passt auch thematisch: "Damals fand man es normal, sich nackt zu zeigen und Haare unter den Achseln zu haben", sagt Corsini, die Nacktheit immer als Natürlichkeit versteht.

Einen anderen Tonfall bekommt Corsini, wenn es ums zentrale gesellschaftspolitische Thema des Films geht: Da wird auch sie kämpferisch: "Die Frauenbewegung ist heute aktueller denn je, wenn ich mir das Schicksal der Frauen auf dieser Welt so anschaue! Wir befinden uns in einer Phase eines fürchterlichen Rückschritts, und da ist es von vitaler Bedeutung, sich dessen bewusst zu werden und zu handeln", gibt sich Corsini energisch. Und setzt selbstbewusst nach: "Meines Erachtens können die Revolutionen von morgen nur durch Frauen eingeleitet werden".

La belle saison - Eine Sommerliebe

F 2015. Regie: Catherine Corsini. Mit Cécile De France, Izïa Higelin. Thimfilm. 105 Min.